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06. Februar 2012

Letztes Update:12:32:50

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Die grundlegenden Fragen des Menschseins

Wer ist ich? Was ist ich? Warum ist ich?

UW73SCHW-Wer_ist_ichWarum wir mehr sind als Biologie und Umwelt. Warum unser Geist nicht das Gehirn allein ist. Und warum unser Bewusstsein zugleich Ursprung und Realität unserer Welt ist.

Wenn es um grundlegende Fragen des Menschseins geht, hat man heute dort schnell die Biologie zur Hand, wo einst die Theologie zuständig war. Man denkt vielleicht: homo sapiens, letztes Glied der Evolution, höheres Tier, Überlebenskampf oder so etwas. Doch wenn man Schemata wie Überlebenskampf an die Natur heranträgt, findet man, was man voraussetzt, und wird blind dafür, dass Kampf nur eine von vielen Lebenserscheinungen neben Kooperation oder spielerischer Lebenslust ist. Man übersieht auch, dass Menschen keine Überlebenskämpfer sind, sondern fühlende, schöpferische Wesen, die Glück, Gemeinschaft und Sinn suchen und nützlich sein wollen. Viele biologische Erklärungsversuche menschlichen Tuns haben hier ein Defizit. Ein gängiges Denkschema evolutionärer Ansätze unterstellt etwa, dass ‚überlebensdienliche' Verhaltensweisen unserer Urahnen irgendwie in deren Gene gelangt seien und begründet damit unser heutiges Verhalten. Doch Gene erzeugen Proteine, nicht Verhalten. Man könnte dann fragen, weshalb die Urahnen taten, was sie taten. Vielleicht wegen der Gene ihrer Urahnen? Eine Kette ohne Anfang. Schon in der Steinzeit beschäftigten sich Menschen mit Kunst und Mathematik. Sie taten genau wie wir, was ihnen sinnvoll erschien.

Wenn wir verstehen wollen, wer wir sind, sollten wir deshalb bei uns bleiben und uns nicht mit vermeintlich objektiven, aber Wandel und Moden unterworfenen populärwissenschaftlichen Modellen identifizieren. Was ist hier und jetzt? Was sind wir für Wesen, die Ich sagen und Modelle von sich und der Welt machen? Schauen wir also aus der Perspektive der ersten Person den Ursprung unserer Selbst- und Welterfahrung an. Wir können alles, was wir erleben, infrage stellen, nur nicht das Erleben selbst. Sobald wir das Vorurteil einer materiellen Außenwelt loslassen, werden all unsere inneren und äußeren Erlebnisse zu Phänomenen im offenen Horizont unseres Bewusstseins. Alles, was ist, ist Bewusstsein von etwas. Alles, was geschieht, ist in uns Erlebtes, ob Gedanke, Gefühl, Mitwesen oder Ding. Die Welt ist in uns und jetzt. Alles, was es zu verstehen gibt, ist da. Unser Bewusstsein liegt allem zugrunde. Es ist nicht aus materiellen Elementen entstanden, schon diese sind gedankliche Hervorbringungen. Wir können es nicht begründen, nur beschreibend erkunden.

Genau das tut die Phänomenologie, die Wissenschaft vom Bewusstsein und seinen Erscheinungen, begründet durch Edmund Husserl. UW73SCHW-Wer_ist_ich2Auch der Buddhismus beinhaltet eine Phänomenologie. Beide zeigen durch genaue Analysen der Bewusstseinsprozesse, dass es keine vom Erleber unabhängigen Dinge gibt. Wir leben in einem rein subjektiven Raum, und es gibt keine andere Welt außerhalb dieses Horizonts. Was wir objektiv nennen, ist als Common Sense die gegenseitige Abstimmung vieler subjektiver Beobachtungen zu einer Perspektive dritter Person. Man teilt Erfahrungen miteinander und gibt ihnen Namen. Für Erwachsene haben z.B. Zahlen objektive Bedeutung, ein Kleinkind erkennt sie gar nicht. Selbst, was wir Natur nennen, ist Objekt unseres Bewusstseins. Eine objektive, von niemandem erlebte Welt ist eine Fiktion, sie existiert nicht. Ein Regenbogen entspringt am Ort des Betrachters aus Regentropfen, Licht und sehenden Augen. Ohne Sehenden kein Regenbogen und keine Welt. Bewusstsein und Welt bringen sich gegenseitig hervor. Der Buddhismus spricht vom abhängigen Entstehen und der Leerheit der Phänomene einer Substanz.

Die Perspektiven erster und dritter Person sind niemals austauschbar. Wir hören die schöne Stimme eines geliebten Menschen und nicht Schallwellen. Wir haben Gedanken und keine Neuronenimpulse. Wir wurden nicht aus Molekülen zusammengesetzt, sondern Moleküle sind unsere Konzepte. Der Zustand des Bewusstseins, sich selbst nicht zu erkennen und darum eine von ihm unabhängige Welt anzunehmen, gilt buddhistisch als Unwissenheit und die Idee, der Geist sei das Gehirn, als Meditationshindernis.



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