Großmutter und Großvater sind nicht mehr von gestern. Die Zeit, in der die Alten am gesellschaftlichen Leben nicht teilnehmen, neigt sich mehr und mehr dem Ende zu. Gute Ernährung, eine gesunde Lebensweise und nicht zuletzt geistige Übung versprechen Lebensqualität bis ins hohe Alter.
Margarita Galván hat sich kürzlich bei Twitter angemeldet, mit ihrem BlackBerry ist sie ständig mit Familie und Freunden verbunden. Pierre Galice liest viel, er besucht regelmäßig Ausstellungen, beschäftigt sich mit Kunst und Kultur. David Pichler meditiert täglich 30 Minuten, drei Mal wöchentlich besucht er abends einen Yoga-Kurs, zwei Mal jährlich Achtsamkeitsseminare und Retreats. Drei Menschen, die – wie es scheint – ein sehr aktives Leben führen. Und sie haben eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind alle über 65 Jahre alt, Rentner, gehören zu den sogenannten ‚neuen Alten'. Und sie zählen zu jenen, die eine Antwort auf eine der wichtigsten Fragen der Gegenwart gefunden haben: Wie sollte man sein Leben gestalten, um glücklich und zufrieden altern zu können? Margarita, Pierre und David gehören aber noch zu einer Minderheit. Vielen älteren Menschen fehlt es an Perspektiven und sinngebenden Lebensinhalten. Meditation und Bewusstseinstraining könnten für sie eine große Hilfe sein. Doch wer versteht sich denn überhaupt als alt?
Über die Definition des Alters herrscht in der Wissenschaft Uneinigkeit. Je nach Gesellschaftssystem kann die Bezeichnung ‚alt' eine unterschiedliche Bedeutung haben. Mediziner waren bis vor wenigen Jahrzehnten überzeugt, dass spätestens ab dem 50. Lebensjahr sogenannte ‚senile Degenerationserscheinungen' manifest werden. Psychologen sahen den intellektuellen Höhepunkt zwischen 30 und 45, danach folge zwangsläufig der geistige Abstieg. Mit 35 Jahren, meinte Pierers Universal-Lexikon, ein enzyklopädisches Konversationslexikon aus dem Jahr 1840, bricht im ‚Geschlecht des Weibes die letzte vollkommene Zeit an', die etwa drei Jahre dauere, dann werde die Frau ‚ältlich'.
Doch wie schätzt sich die Generation 60 plus selbst ein? Auf die Frage „Wann ist man alt?" antworten 50 Prozent der Deutschen: „Wenn man zum Pflegefall wird." Jeder Dritte meint: „Alt ist man erst, wenn man starr und unflexibel wird." Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt, alt ist man, wenn mehr als 50 Prozent des eigenen Jahrgangs bereits verstorben sind. In einem sind sich jedoch alle einig: Alt sein hängt nicht nur von den gezählten Lebensjahren ab und ist auch keine rein biologische Tatsache, sondern eine kulturelle Konstruktion.
Nichtsdestotrotz zeichnen sich die Spuren unseres Lebens an unserem Äußeren ab. Das biologische Altern ist die Veränderung des Körpers. Diese Veränderung beginnt bei der Zeugung, also dem Verschmelzen von Samen- und Eizelle, und ist dann ein lebenslanger und biografisch verankerter Prozess, der sich auf verschiedenen Ebenen vollzieht und sowohl zahlreiche körperliche als auch psychische Veränderungen mit sich bringt. Nach wissenschaftlichen Einschätzungen werden bis zu 25 Prozent der Lebenserwartung von Menschen genetisch determiniert, weitere 25 Prozent werden durch frühe und 50 Prozent durch späte, primär soziale Lebensereignisse bestimmt.
Ein wesentlicher Faktor des Alterns ist demnach die Lebensart. Der Körper passt sich an bestimmte Gegebenheiten an. Wie ist es möglich, dass jemand Mitte 40 das Erscheinungsbild eines 65-Jährigen aufweist und umgekehrt? Schicksalsschläge, Lebensführung und körperliche und geistige Gesundheit scheinen für einen individuellen Alterungsprozess zu sorgen. Wer als alter Mensch Zufriedenheit erlangen möchte, sollte schon in jüngeren Jahren beginnen, an Persönlichkeit und Lebenseinstellung zu arbeiten. Je länger wir unzufrieden und unglücklich dahinleben, desto schwieriger wird es, von negativen Glaubenssätzen und Verhaltensmustern zu lassen. Einsamkeit, Frustration, Depression und Altersdemenz sind häufig die Folge dieser negativen Grundstimmung.
Der pensionierte Manager Werner Baszler, 64, lebt mit Christina Richlick, 63, einer ehemaligen Handelsangestellten, seit 17 Jahren zusammen. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Vortrag über Buddhismus. „Ich hatte nach einer Midlife-Crisis beschlossen, etwas für mein geistiges Wachstum zu tun, damals war ich 47 Jahre alt", erzählt Werner, der, seit er im Ruhestand ist, sein Wissen und seine kaufmännischen Fähigkeiten drei verschiedenen Vereinen kostenlos zur Verfügung stellt. „Durch die buddhistische Übung habe ich gelernt, den Blick nach innen zu richten, und das hat mir persönliche Freiheit gebracht, hat mich gelehrt, nicht darauf zu achten, wie andere mich beurteilen, sondern Verantwortung für mich und mein Handeln zu übernehmen." „Wir wären ohne dieses geistige Training längst nicht mehr zusammen", meint Christina. „Durch die Achtsamkeitsübung sind wir verständnisvoller, toleranter und weniger wertend geworden." Christina ist überzeugt, dass sie ohne diese Erkenntnisse alte Fehler wiederholt hätte: „Früher habe ich immer gemerkt, meine Beziehungen scheitern, doch ich wusste nicht, warum."








