ursache.at

01. Oktober

Letztes Update:10:46:50

HOME > Bewusstsein > Ökologie > Das Glück der Bescheidenheit

Wie man durch Bescheidenheit glücklich werde kann

Das Glück der Bescheidenheit

UW75SCHW-Das_Glueck_der_BescheidenheitWie wir lernen können, durch Bescheidenheit glücklich zu werden, und warum wir denen, die fast nichts haben, sehr viel abgeben sollten. In den vergangenen Jahren lässt sich ein ‚Glücks-Boom' auf dem Büchermarkt beobachten.

Sogar europäische Staatenlenker fordern Glück als neues Maß für den Reichtum. Ökonomen, bislang vorwiegend als wissenschaftliche Dolmetscher der Geldgier aufgefallen, entdecken die Glücksforschung. Dabei wird das kleine buddhistische Land Bhutan mit seiner Messung des ‚Bruttonationalglücks' sogar zum Vorbild. In scharfem Kontrast dazu beobachten wir weltweit soziale Unruhen, die von ganz anderen Fragen umgetrieben werden: Dort geht es um das Elementarste, um steigende Lebensmittelpreise oder um die Gewalt tyrannischer Herrscher. Ist die neuerdings in Mode gekommene Rede vom ‚Glück' also nur ein Feigenblatt, für das auch der Buddhismus herhalten muss? Es wird hilfreich sein, das Verhältnis von Glück und Ökonomie genauer zu betrachten.

Glück entsteht in buddhistischer Diagnose dadurch, dass man die Ursachen des Leidens beseitigt. Das Leiden hat in der Gegenwart vor allem zwei Formen angenommen: eine ökonomische und eine militärische. Nur einige Hinweise zur Ökonomie: 2010 sind die Weltmarktpreise für Lebensmittel durch spekulative Attacken um 30 Prozent gestiegen. Die Weltbank warnt vor Hungerkatastrophen. Im Gegenzug: Die Banken, nach der Finanzkrise 2008 durch Steuergelder ‚gerettet', verdienen wieder: Die Bonuszahlungen an der Wall Street stiegen 2010 um 17 Prozent – auf 20,3 Milliarden Dollar. Es wird weiter munter auf Kosten massenhaften Elends Geld verdient. Regierungen und Zentralbanken stützen die Urheber dieser menschlichen Katastrophe durch ‚Rettungsschirme' und die Notenpresse. Würde man nur die Bonuszahlungen der Wall Street auf die Bevölkerung Bangladeschs verteilen, so stiege dort das Pro-Kopf-Einkommen um ein Drittel. Die Welt leidet unter einer atemberaubenden Ungleichverteilung des Reichtums.

Die zweite Form des Leidens wird durch Kriege verursacht, die nur durch Waffen und gut gefüllte Kriegskassen möglich sind. Das Institut SIPRI aus Stockholm zählt für das Jahr 2009 in 16 Ländern 17 größere bewaffnete Konflikte. 1,53 Billionen US-Dollar werden weltweit für Rüstung ausgegeben, 54 Prozent davon allein von den USA (während 43,6 Millionen US-Bürger in Armut leben). Deutschland, drittgrößter Waffenexporteur der Welt, hatte 2010 einen ‚Verteidigungsetat' von 29,5 Milliarden Euro. Um auch das in Relation zu bringen: Man diskutierte in Deutschland heftig um die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze – der Unterstützung von Menschen mit zu geringem Einkommen. Mehr als fünf Euro waren der Regierung zu viel. Würde man den Verteidigungsetat nur um 20 Prozent kürzen, so stünden jedem Hartz-IV-Empfänger nicht fünf, sondern 76 Euro mehr zur Verfügung.

Was zeigt dieser kleine Überblick? Die weltweite Organisation unserer Wirtschaft und der sie begleitenden Politik beruht überwiegend auf einer destruktiven Verwendung der finanziellen Mittel bei einer gleichzeitig massiven Ungleichverteilung.

Was ist die Ursache für das damit verbundene weltweite Leiden? Ich möchte diese Frage etwas grundsätzlicher beantworten. Die gewaltig gewachsene Erdbevölkerung konnte sich nur durch eine ganz spezifische Organisation der menschlichen Wirtschaft entwickeln. Das herausragende Merkmal hierbei ist die Arbeits- und Bedürfnisteilung. Während einfache Völker für ihre eigene Nahrung selbst sorgen, hat der moderne Kapitalismus eine völlig neue Form entwickelt – jeder kennt sie und betrachtet sie als Selbstverständlichkeit: Arbeit und Konsum sind nahezu völlig getrennt. Die Ökonomen nennen die Arbeit ein ‚Leid' und billigen nur den Konsumgütern einen Nutzen zu, der für das Glück der Menschen verantwortlich sein soll. Der Großteil der Bevölkerung weltweit geht einem Job nach, erhält dafür Geld, verwandelt sich anschließend vom Arbeitenden in einen Konsumenten und steht im Kaufhaus einem vielfältigen Warenangebot gegenüber. Die Arbeitsinhalte sind durch die Eigentümer der Unternehmen und damit durch das Diktat der Finanzmärkte fremdbestimmt. In der Arbeit findet man nur mäßige Befriedigung, ganz zu schweigen von ‚Glück'. Also wird das Streben nach Glück in den Konsum verlagert. Dort dürfen wir auswählen aus dem, was andere anderswo im Auftrag der Marktforscher gefertigt haben – begrenzt durch unseren Geldbeutel. Diese Arbeits- und Bedürfnisteilung ist die Wurzel des Übels.



Kommentar schreiben