Die ersten zehn Jahre des 3. Jahrtausends haben uns mit drei extremen und globalen Herausforderungen konfrontiert. Alle drei stehen untrennbar miteinander in Verbindung. Und alle drei zeigen das vollständige Versagen unserer gegenwärtigen Zivilisation und jener, die Entscheidungsmacht besitzen.
Es begann mit dem Flugzeugangriff islamistischer Terroristen auf die Symbole der Weltmacht Amerika und der heute alles beherrschenden kapitalistischen Ökonomie, die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York. Seither befindet sich der Westen in immer schärferer Konfrontation mit der Welt des Islam und im weltweiten ‚Krieg gegen den Terror'. Doch wird hierbei gerade das, was der freie Westen zu verteidigen vorgibt, die individuelle Freiheit, die Menschenrechte, die Demokratie in den eigenen Ländern, immer mehr eingeschränkt, gefährdet, ja offen missachtet. Der mit riesigen Geldmitteln und modernster Technik betriebene Krieg trägt bisher nichts zur Überwindung des Terrorismus bei, sondern führt zu seiner täglichen entsetzlichen Normalität und wachsenden Ausweitung. Der Westen selbst ist es, der den Terrorismus nährt, indem er mit seinem all zu häufig überheblichen und nicht die Terroristen, sondern die Zivilbevölkerung treffenden Auftreten die Wut und den Hass der Menschen jener Länder noch verstärkt oder erst hervorruft – und indem all die Waffen und die hocheffiziente Technik, die Transport- und Kommunikationsmittel (Flugzeuge, Handys, Internet) und letztlich sogar die Geldmittel dafür zumeist vom Westen selbst bereitgestellt werden. Den Terrorismus wirklich zu bekämpfen hieße aber, all jenen das Handwerk zu legen, die am Krieg gegen den Terror beträchtliches Interesse haben und daraus enorme Gewinne ziehen. Der Terrorismus ist – auf beiden Seiten – längst zum Big Business geworden.
Das zweite Thema, obwohl schon seit Anfang der 80er Jahre bekannt und zunehmend akut, rückte in der Mitte der Dekade ins Zentrum der globalen Aufmerksamkeit: die unübersehbar schon eingetretene, in ihrem Ausmaß unabsehbare, bereits unaufhaltsame, von Menschen erzeugte Klimaveränderung. Obwohl – vor allem in vielen armen Ländern des Südens und Ostens – die Folgen schon unmittelbar spürbar und die wissenschaftlichen Daten dazu erdrückend sind, wird die Realität der Bedrohung immer noch von der Mehrheit der politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen wie auch der Mehrheit der Bürger der reichen Länder verdrängt, bagatellisiert oder gänzlich geleugnet. Das völlige Scheitern der bisher größten UN-Konferenz, der Weltklimakonferenz vom Dezember 2009 in Kopenhagen, hat die kollektive Flucht aus der Verantwortung in erschreckender Weise deutlich gemacht. Dabei ist die Klimaveränderung nur eines der zahllosen Probleme, die aufgrund unserer naturverschwenderischen und -zerstörerischen Lebensweise auf uns zukommen werden. Dass das baldige Ende der natürlichen Erdölbestände dieses Planeten deutlich absehbar ist und das Gleiche für zahlreiche wichtige Metalle gilt, ist schon seit Anfang der 70er Jahre bekannt. Völlig unbeeindruckt davon setzen aber weiterhin alle Politiker und Wirtschaftler mit der Zustimmung der Masse der Wähler und Käufer auf steigende Ressourcen-Ausbeutung und weiteres endloses Wirtschaftswachstum, was nichts anderes heißt, als eigenhändig den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen.
Der dritte Schock, und auch der wurde schon Mitte der 90er Jahre vorhergesagt, hat die Welt in den letzten beiden Jahren erfasst: die globale Finanzkrise und die daraus erwachsende Wirtschaftskrise. Von der Geldsumme her, die hier in kürzester Zeit vernichtet wurde, stellt sie die schwerwiegendste ökonomische Katastrophe der Menschheitsgeschichte dar. Zu Beginn der Krise wurde von fünf Billionen US-Dollar (5.000.000.000.000) gesprochen. Kenner der Materie sagen jedoch, dass der tatsächliche Betrag weit höher liegt. Wir wissen noch gar nicht, welche Folgen die im Banken- und Börsenbereich begonnene Krise auf die Waren produzierende Realwirtschaft hat. Und ebenso auf die zur Rettung der Spekulateure eingesprungenen Staaten und die vielen Millionen Arbeitnehmer, Kinder, Schüler und Studenten, Alten und Sozialhilfeempfänger, die doppelt davon betroffen sind. Indes ist jener Finanzmarkt – völlig unbelehrbar – auf breiter Front schon wieder zur Fortsetzung seiner Geschäfte und zu neuen spekulativen Höhenflügen zurückgekehrt. Die Staaten mit ihren völlig unbezahlbaren Rettungsmaßnahmen haben es möglich gemacht und damit die nächste gigantische Finanzblase und deren unausweichliches Platzen eingeleitet. Sie haben den Milliarden-Spielern jedes finanzielle Risiko abgenommen und dies auf die einfachen Menschen, die Masse der kleinen Steuerzahler abgewälzt. Auf diese Weise wurde – wie bisher noch nie in unserer Geschichte – blinde Habgier und Unverantwortlichkeit von uns allen belohnt und entschuldet, ja entschuldigt.








