ursache.at

22. Mai

Letztes Update:11:02:04

HOME > Buddhismus > Buddhismus für Anfänger > Wie wird man dauerhaft zufrieden?

Peter Riedl untersucht die tieferen Ursachen von Unzufriedenheit

Wie wird man dauerhaft zufrieden?

UW75SCHW-Wie_wird_man_dauerhaft_zufriedenWoran liegt es, dass niemand zufrieden ist, obwohl das doch jeder möchte?
Ein guter Freund von mir ärgerte sich unlängst ganz schrecklich über seine Frau. Sie hatten die Wohnung gerade umgebaut und waren in die frisch ausgemalten Räume eingezogen. Seiner Frau fehlte ein Deckenauslass für die Wohnzimmerlampe.

Sie fragte den Handwerker, ob es ein Problem sei, einen Deckenauslass nachträglich herzustellen. „Gar kein Problem", sagte der Handwerker und begann, die frisch gemalte Wand aufzustemmen. Als mein Freund, der Ehemann, das bemerkte, rastete er aus. Er ärgerte sich über die zusätzlichen Kosten, den neuerlichen Schmutz und Staub und dass ihm die gesamte Maßnahme als überflüssig und sinnlos erschien. Ob sein Ärger ausschließlich durch die ‚unnötigen' Stemmarbeiten entstanden war oder ob auch psychologische Gründe mitspielten, konnte ich naturgemäß nicht wissen. Ob es von seiner Frau richtig oder falsch war, einen Deckenauslass herstellen zu lassen, auch nicht. Auf jeden Fall wollte und konnte sich mein Freund gar nicht beruhigen, sein Ärger war übermächtig. Unabhängig, was nun wirklich sinnvoll für die Wohnung war und was nicht, lässt sich Folgendes feststellen: Mein Freund, der Ehemann, war in diesem Augenblick weder ruhig noch zufrieden.

Ich sagte ihm dies. Nun war er nicht nur über seine Frau verärgert, sondern auch über mich. Er sah sogar ein, dass es angenehmer für ihn wäre, sich nicht zu ärgern. Aber das sei in einer solchen Situation völlig unmöglich, sagte er. Ich entgegnete, dass dies sehr wohl möglich sei. Ich sagte ihm nicht, dass ich das seit fast 30 Jahren übe und mich in 90 Prozent aller Situationen, in denen ich mich früher geärgert hätte, heute nicht mehr ärgere. Ich sagte ihm das nicht, weil er mich ohnehin für einen Besserwisser hält und ich ihn nicht weiter auf die Palme bringen wollte. Ich warf lediglich ein, dass der Buddha Derartiges gelehrt habe: Man könne den eigenen Ärger fallen lassen und auf diese Weise in sich selbst aktiv Ruhe herstellen. Doch leider überzeugte ihn auch der Buddha nicht. Er hatte einfach eine andere persönliche Erfahrung gemacht.

Woran liegt es, dass so wenige Menschen dauerhaft zufrieden sind, obwohl es den meisten doch recht gut geht? Wie wird man zufrieden? Kann man Zufriedenheit aktiv anstreben und erreichen? Entsprechend der buddhistischen Erkenntnis ist das möglich. Buddhismus ist eine Lehre und eine Übung, mit deren Hilfe man zufrieden werden kann, nichts anderes.

Wir suchen die Gründe für unsere Unzufriedenheit in den äußeren Umständen, in Deckenauslässen, Stemmarbeiten und Ehefrauen und erkennen nicht, dass sie vielmehr in unserem Denken, Sprechen, Fühlen und Handeln zu finden sind. Welche Gedanken und Gefühle machen uns zufrieden und welche nicht? Es gibt sogenannte unheilsame Emotionen, dazu gehören Ärger, Wut und Eifersucht. In diesen Zuständen sind wir erregt, so wie mein Freund das gewesen ist, und fühlen uns nicht wohl, also unangenehm. Wenn diese Emotionen nicht anwesend sind, sind wir nicht erregt und fühlen uns wohl, also angenehm oder zumindest neutral. Das scheint ganz einfach zu sein. Warum sind wir dann nicht immer ruhig? Wir ziehen diese Möglichkeit nicht einmal in Betracht, zu sehr wissen wir aus Erfahrung, dass wir uns immer wieder ärgern. Wir machen uns die Mechanismen des Ärgers nicht bewusst und haben scheinbar keine Möglichkeit, hier eingreifen zu können.

Liest man die buddhistischen Antworten auf diese Probleme, erkennt man die Schwierigkeiten bei der Lösung der Problematik. Wir ärgern uns, weil wir uns mit unserem Ich identifizieren, weil wir egoistisch sind. Sogar wenn wir diese Aussage anerkennen, dauert es Jahre, um den Egoismus zu reduzieren. Eine andere Ursache ist, dass wir nicht erkennen, dass alle Dinge, auch Ehefrauen und Wandauslässe, ‚leer' sind, alle Dinge, auch Ehefrauen und Wandauslässe, vergänglich und leidhaft sind. So lange wir ihre Vergänglichkeit und Leerheit nicht akzeptieren und nicht aufhören, an Ehefrauen und Wandauslässen anzuhaften, werden wir leiden. Auch mit diesen Begriffen kann man am Beginn der buddhistischen Übung nur wenig anfangen. Was bedeutet es, dass alle Dinge leer, vergänglich und leidhaft sind? Es dauert Jahre und bedarf eigener Erfahrung, um die Richtigkeit der Aussagen des Buddha zu verstehen. Eine weitere Ursache ist es, dass wir uns das begleitende Gefühl in diesen Emotionen gar nicht bewusst machen und so nicht spüren, dass sie mit einem richtig unangenehmen Gefühl im Körper und im Geist einhergehen. Wir müssten dafür beginnen, unsere Aufmerksamkeit nach innen zu richten, also auf die eigenen Gedanken und Gefühle. Das tun wir aber (fast) nie. Ständig ist unsere Aufmerksamkeit nach außen gerichtet, auf das, was wir sehen, hören und riechen.



Kommentar schreiben