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24. April

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Alles, was man sagen kann, kann man auch nicht sagen...

Die Welt hält den Atem an...

UW75SER-Alles_was_manGuttenberg, Gaddafi und danach die Atomgefahr in Japan. Drei völlig unterschiedliche Ereignisse, sie steigern sich in ihrem Ausmaß, zum Schluss hält die Welt nur noch ihren Atem an. So wie alle bin auch ich betroffen und erschüttert. Was geht da vor? Wie konnte es dazu kommen, vor allem, wenn man die eigentliche Ursache der Katastrophe in Japan nicht den Naturgewalten zuschreibt, sondern den Verantwortlichen, die nicht sorgsam genug mit der Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgehen kann, umgegangen sind.

Noch vor Japan, noch vor Libyen hat mich die Vorgangsweise des deutschen Ministers sehr nachdenklich gemacht und bei Gaddafi hat sich das dann noch gesteigert. Gibt es Gemeinsamkeiten in der Unverständlichkeit der Handlungsweise, habe ich mich gefragt.

Beide Politiker sind interessante und charismatische Persönlichkeiten und ursprünglich mit einem hohen Anspruch an die eigene Person und Ethik angetreten. Gaddafi wollte anfänglich mit seinem ‚Grünen Buch' eine Heilslehre für die gesamte Menschheit, eine Welterklärungs- und Erlösungstheorie schreiben, sagt der Soziologe und Islamwissenschaftler Heiner Lohmann in einem Interview im Internet (www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34268/1.html). Lohmann hat das ‚Grüne Buch' ins Deutsche übersetzt und eine Dissertation darüber verfasst. In dem Interview führt er aus, Gaddafi behaupte von sich, über eine ‚direkte Demokratie' zu schreiben und jede staatliche Institution abzulehnen. Diesem hohen Anspruch werde das Buch jedoch nicht einmal andeutungsweise gerecht. Es sei lediglich eine völlig illusionäre, unverständliche und naive Weltdeutung auf dem Niveau eines siebenjährigen Kindes. Gleichzeitig sei Gaddafi ein völlig skrupelloser Egozentriker, der sogar Atombomben werfen würde, um an der Macht zu bleiben.

Auf der anderen Seite haben wir mit Guttenberg einen ebenso charismatischen Spross aus einer alten Adelsfamilie, der angetreten ist, um in Deutschland eine völlig neue Form von Politik zu machen. Während er mit Pathos und Ehre um sich wirft, lügt er Freunde und Feinde an. Jede Entschuldigung enthält neue Unwahrheiten und neue egozentrische Ansprüche an die eigene Unfehlbarkeit. Wieso erkennen die beiden ihr offensichtliches Fehlverhalten nicht? Warum erkennen es einige wenige Menschen und viele andere wieder nicht?

Und danach kam Japan. Ein verheerendes Erdbeben mit einem außergewöhnlich starken Tsunami und in dessen Folge eine sich anbahnende Atomkatastrophe, die bei Drucklegung dieser Ausgabe noch unabsehbar ist.

Auch hier ganz ähnliche Mechanismen: Eine Heerschar von Politikern, Wissenschaftlern und Atomkraftwerksbetreibern verspricht die friedliche Nutzung einer völlig sicheren Atomkraft zum Wohle aller Menschen. Dahinter tun sich Lügen, Fehlinformationen und Verantwortungslosigkeit auf. Atomkraftwerke sind nicht nur durch Erdbeben und Tsunamis gefährdet, sondern auch durch Flugzeugabstürze, Terroranschläge, Kriege, Stromausfälle, Fehlbedienungen, Schlamperei und Unachtsamkeit. Die Folgen könnten noch viel verheerender werden als in Tschernobyl und jetzt in Japan, ganze Landstriche könnten für Hunderttausend Jahre unbewohnbar werden.

Wieso können manche Menschen bei sich das ganz Offensichtliche nicht sehen? Guttenberg nicht, dass er dem eigenen ethischen Anspruch nicht entspricht, Gaddafi nicht, dass er kein Welterlöser ist, die Atomlobbyisten und Politiker nicht, dass eine Katastrophe alleine deshalb eintreten kann, weil sie nicht auszuschließen ist?

Sie alle sind für mich der personifizierte Ausdruck von Illusion und Unwissenheit, von dem Buddha spricht, wenn er sagt, alle Menschen seien der Gier, dem Hass, vor allem aber der Unwissenheit unterworfen. Wir würden immer nur das machen, was uns angenehm ist, und ablehnen, was uns unangenehm ist, ohne eine höhere Ethik, ohne Einsicht in die Gesamtzusammenhänge.

Guttenberg wäre es angenehm gewesen, zu allen anderen Ehren auch noch mit einer Doktorwürde aufzutreten und sich dafür nicht sonderlich anstrengen zu müssen. Gaddafi hat sich angenehm und wohlgefühlt, als er sein Volk bestahl und unterdrückte, jetzt fühlt er sich sichtlich gut, das gleiche Volk auch noch zu bombardieren. Und den Atomlobbyisten war es angenehm, viel Geld zu verdienen, so wie es den Politikern und Wissenschaftlern angenehm war, Bedeutung und Einfluss zu haben. Wie erstaunlich simpel sind wir Menschen doch gestrickt und wie schwierig ist es offensichtlich, die Mechanismen unseres Handelns zu durchschauen! Spricht Thich Nhat Hanh wirklich nur Utopien aus, wenn er sagt, die Mächtigen der Erde sollten sich in Meditation und Achtsamkeit üben?

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