Alle großen Richtungen des Buddhismus vom Theravada über Zen bis zum Vajrayana bieten Meditation in großer Vielfalt und Unterschiedlichkeit an und berufen sich auf den historischen Gautama Buddha. Welche Methoden, Wege und Anleitungen finden wir jedoch tatsächlich in den überlieferten Reden des Buddha?
Unter Meditation werden im Allgemeinen bestimmte Übungen verstanden, mit denen man Geist und Körper beruhigen, entspannen und in vertiefte Bewusstseinszustände führen kann. Im System des Buddha umfasst der Bereich der meditativen Schulung ebenfalls die Gebiete Achtsamkeit, Sammlung und das dazugehörende Bemühen, ist jedoch noch weiter gefasst und beschreibt besonders die Meditation über bestimmte geistige Gesetze und Merkmale, die es zu durchschauen gilt. Deshalb sind in der folgenden Zusammenstellung auch die geistigen Übungen angeführt, die wir in unserem Sprachgebrauch eher als Kontemplation verstehen. Sie sind deshalb wichtig, weil es bei jeder Form von Meditation des Buddha immer um das Durchschauen und die Einsicht geht, die letztlich zur Befreiung führt. Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Lehren des Buddha weniger festgefügte Methoden, sondern vielmehr geistige Anregungen sind, mit denen wir kreativ die eigenen Wege zur geistigen Entfaltung entdecken sollten.
Außerdem muss erwähnt werden, dass es ein Wagnis ist, derart tiefe und komplexe Themen den Geboten einer Zeitschrift folgend so zu kürzen, dass viel Wichtiges nur angedeutet werden kann. Ich hoffe jedoch, dass es dennoch gelungen ist, erstmalig eine konzentrierte Schau auf die Übungsanweisungen des Buddha zu geben.
Achtsamkeit (sati). Ist in den letzten Jahren der Begriff geworden, mit dem eine Besonderheit der buddhistischen Meditation hervorgehoben wird. Achtsamkeit oder Bewusstheit ist ein Teil des Achtfachen Pfades und die Qualität, die alle anderen Wege brauchen. In der Meditation kommt es darauf an, ganz bei einer Sache zu sein, ganz gegenwärtig. Es ist eine Form von Zuwendung, Wertschätzung, Beobachten und vor allem von Akzeptanz. In der Beobachtung, sowohl beim stillen Sitzen als auch während der Tätigkeiten, geht es darum, sich selbst zu beobachten und dabei alle Erscheinungen nicht zu bewerten, sondern so zu lassen, wie sie sind. Das ist die Besonderheit dieser Methode, die es ihr ermöglicht hat, in den letzten Jahren sogar Eingang in die Psychotherapie und in
die Medizin zu finden. Der Buddha sagt, wer achtsam in der Gegenwart bleibt, der wird heiter und gelassen. Er sagt auch, dass die Achtsamkeit der einzige Weg ist, der zur Einsicht und inneren Befreiung führt. Grundlegende Belehrung darüber finden wir in den Reden über ‚Satipatthana' und ‚Anapanasati'.
Atembetrachtung (anapanasati). In der Satipatthana-Rede erklärt der Buddha, wie der Übende den Atem zu betrachten hat: „Wenn er lang einatmet oder ausatmet, so weiß er das. Wenn er kurz einatmet oder ausatmet, so weiß er das." Daran ist bemerkenswert, dass damit ein grundlegendes Prinzip der Meditation des Buddha eingeführt wird, nämlich den Atem (und auch alle anderen Objekte der Achtsamkeit) zu beobachten, jedoch nicht, sie zu verändern, das heißt, sie so zu akzeptieren, wie sie eben erscheinen und wahrgenommen werden.
Im weiteren Verlauf der Anweisung geht es darum, mithilfe des Atems den ganzen Körper wahrzunehmen, Körper und Geist zu beruhigen, sich zu sammeln und dadurch aufkommende Erfahrungen von Freude und Glück zu ermöglichen.
Interessant ist auch, dass in den Anweisungen des Buddha nirgendwo angegeben ist, wo nun genau im Körper der Atem zu betrachten ist. Dennoch haben buddhistische Richtungen verschiedene Methoden entwickelt, wie z.B. den Atem im Bauchraum oder an der Nase zu beobachten. In den Anweisungen heißt es: „Ich werde einatmen und dabei den ganzen Atemkörper erleben." Die Gelehrten streiten sich, was das nun bedeutet. Ich denke, die Praxis der Meditation zeigt uns, dass damit gemeint ist, den Atem nicht an einer Körperstelle zu betrachten, sondern im ganzen Körper wahrzunehmen.
Ein bekannter burmesischer Lehrer hat daraus die Methode entwickelt, mit Achtsamkeit geistig durch den ganzen Körper (body-scan) zu gehen (siehe Körperbetrachtung).
Bemühen (samma-vayama). Wird auch als Anstrengung bezeichnet und ist als Rechtes Bemühen ein Teil des Achtfachen Weges, der zum Bereich der Meditation gezählt wird. Man schult das Denken, indem die unheilsamen, negativen Gedanken erkannt und aufgegeben und die heilsamen, positiven und förderlichen Gedanken gepflegt und entfaltet werden. Dies ist eine wichtige und oft nicht genug beachtete Voraussetzung für die gewünschten Ergebnisse des stillen Sitzens. Negative Gedanken verhindern die Sammlung, während positive eine freudvolle und glückliche Stimmung erzeugen und diese ist das Sprungbrett für Energie, Ausdauer und vertiefte Meditation.
Oft wird Anstrengung in der Meditation mit Disziplin, Ehrgeiz und Kontrolle verwechselt. Zuweilen sind sie auch notwendig, doch wenn sie zu sehr betont werden, führen sie schließlich nicht zu dem gewünschten Fortschritt.








