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25. April

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Peter Riedl über die möglich Trostlosigkeit im Buddhismus, und warum es nicht so ist.

Ist Buddhismus Trostlos?

pr fotoReligionskritik ist berechtigt, Dummheit nicht. Solange sich Buddhismus auch als Religion darstellt, kann, darf oder soll er – je nach Geschmack – auch kritisiert werden. Warum auch nicht?

Doch Kritik, die etwas bewirken möchte, sollte grundsätzlich sachlich korrekt und inhaltlich richtig sein. Polemische und emotionale Argumente führen häufig in neue Konflikte.

Den Buddhologen Professor Paul Williams, ehemals ‚gläubiger' Buddhist und heute gläubiger Katholik, führt seine Betroffenheit angesichts eines fehlenden personalen Weiterlebens nach dem Tod zur Kritik am Buddhismus, den er naiv interpretiert: „Das Wesen, das wiedergeboren wird, wird als ein anderes Wesen wiedergeboren werden. Das heißt, das, was war, existiert nicht mehr weiter. Ich, wenn ich sterbe und als Tier wiedergeboren werde, zum Beispiel als Spinne, dann bin ich nicht mehr ich. Ich, das Ich, als ich war, ist nicht mehr. In anderen Worten, ich würde nicht mehr länger existieren. Reinkarnation bedeutet, ich existiere nicht mehr, ein anderes Wesen existiert."Das findet Williams entsetzlich und ist erschrocken. Wäre er Buddhist geblieben, würde er nach dem Tod möglicherweise als Spinne wiedergeboren werden. Er glaubt, dass er jetzt als Katholik nach dem Tod mit seiner Frau und seinen Kindern vereint sein wird und schlussfolgert, der Buddhismus sei hoffnungslos. An sich besteht wenig Grund, derart kindlichen Gedanken zu widersprechen. Aber der Mann hat an einer Universität in England Philosophie unterrichtet, hat in der österreichischen Tageszeitung ‚Die Presse' vom 24.5.2012 ähnlich simplifizierte Aussagen getätigt und spricht vor Hunderten von Menschen auf der katholischen Tagung ‚Spirit – Leben mit Stil' (Prof. Paul Williams: Mein Weg zu Buddha und zurück): http://www.youtube.com/watch?v=_X3Jlj4M65k

Was Williams zur Reinkarnation sagt, ist buddhistisch gesehen falsch. Er beschreibt die gläubige hinduistische Vorstellung der Wiedergeburt. In vielen Religionen gibt es die Vorstellung eines unveränderlichen Wesenskernes im Menschen, der das eine Mal wiedergeboren wird und sich das andere Mal in irgendwelchen Himmeln oder Höllen wiederfindet. Aufgeklärte Menschen und Buddhisten denken da anders. Sie wissen, dass diese unsere Existenz mit dem Tod endet. Das mag man als hoffnungslos oder als Realität bezeichnen. Ich finde es tröstlich. Tatsachen haben auch etwas Beruhigendes, wenn man sie anerkennt.

Was laut der buddhistischen Lehre wiedergeboren wird, ist ein Bewusstseinsstrom. Ob das jedoch wirklich so ist, sagt schon der Buddha, sei nicht wichtig und für die Praxis seiner Lehre der Leidbefreiung ohne wesentliche Bedeutung. Ganz sicher ist es aber buddhistisch nicht so, dass Paul Williams als Spinne oder der 13. als der 14. Dalai Lama wiedergeboren wird, wenngleich es im Volksglauben immer wieder auch so ausgedrückt und verstanden wird.

Die buddhistische Hoffnung ist, dass Paul Williams schon heute mit seiner Frau und seinen Kindern vereint und glücklich sein kann. Er braucht nicht auf irgendein Paradies in irgendeinem Himmel zu irgendeiner Zeit zu warten.

Ein anderer, der sich am Buddhismus stößt, ist der sehr ehrenwerte D.I. Karl Linek von der Aktionsgruppe gottlos.at. Er kommt im eswerdelichtTV zu Wort: http://www.youtube.com/watch?v=5000vahaK0c

Der Humanist (Eigendefinition) sagt, dass ihm die Aussage des Buddha, dass alles Leben Leid sei, zuwider ist. Das Problem dabei ist, dass Herr Linek so wie Williams den Fehler beim Zuhören macht. Der Buddha hat nämlich nicht gesagt, dass alles Leben Leid sei, sondern dass Leben immer wieder mit Leiden verbunden sei und dass man dieses Leiden überwinden könne. Man leidet dann nicht mehr – so wie jetzt – gelegentlich, sondern nie wieder. Das – und nur das! – ist Buddhismus. Alles andere, was da von Williams und Linek kritisiert wird, nicht.

Aber es sind ja nicht nur die Kritiker des Buddhismus zu kritisieren, es ist der Buddhismus selbst, der gelegentlich in einer kritikwürdigen Form daherkommt. Auch das sollten wir bedenken, sonst könnte fälschlicherweise der Eindruck erweckt werden, nur Buddhismus glänze wie Gold und alles andere nicht.

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