Religionskritik ist berechtigt, Dummheit nicht. Solange sich Buddhismus auch als Religion darstellt, kann, darf oder soll er – je nach Geschmack – auch kritisiert werden. Warum auch nicht?
Doch Kritik, die etwas bewirken möchte,
sollte grundsätzlich sachlich korrekt und inhaltlich richtig sein. Polemische
und emotionale Argumente führen häufig in neue Konflikte.
Den Buddhologen Professor Paul Williams,
ehemals ‚gläubiger' Buddhist und heute gläubiger Katholik, führt seine Betroffenheit
angesichts eines fehlenden personalen Weiterlebens nach dem Tod zur Kritik am
Buddhismus, den er naiv interpretiert: „Das Wesen, das wiedergeboren wird, wird als ein anderes Wesen
wiedergeboren werden. Das heißt, das, was war, existiert nicht mehr weiter.
Ich, wenn ich sterbe und als Tier wiedergeboren werde, zum Beispiel als Spinne,
dann bin ich nicht mehr ich. Ich, das Ich, als ich war, ist nicht mehr. In
anderen Worten, ich würde nicht mehr länger existieren. Reinkarnation bedeutet,
ich existiere nicht mehr, ein anderes Wesen existiert."Das
findet Williams entsetzlich und ist erschrocken. Wäre er Buddhist geblieben,
würde er nach dem Tod möglicherweise als Spinne wiedergeboren werden. Er
glaubt, dass er jetzt als Katholik nach dem Tod mit seiner Frau und seinen
Kindern vereint sein wird und schlussfolgert, der Buddhismus sei hoffnungslos. An
sich besteht wenig Grund, derart kindlichen Gedanken zu widersprechen. Aber der
Mann hat an einer Universität in England Philosophie unterrichtet, hat in der österreichischen
Tageszeitung ‚Die Presse' vom 24.5.2012 ähnlich simplifizierte Aussagen getätigt
und spricht vor Hunderten von Menschen auf der katholischen Tagung ‚Spirit –
Leben mit Stil' (Prof.
Paul Williams: Mein Weg zu Buddha und zurück): http://www.youtube.com/watch?v=_X3Jlj4M65k
Was Williams zur Reinkarnation sagt, ist buddhistisch
gesehen falsch. Er beschreibt die gläubige hinduistische Vorstellung der
Wiedergeburt. In vielen Religionen gibt es die Vorstellung eines
unveränderlichen Wesenskernes im Menschen, der das eine Mal wiedergeboren wird
und sich das andere Mal in irgendwelchen Himmeln oder Höllen wiederfindet.
Aufgeklärte Menschen und Buddhisten denken da anders. Sie wissen, dass diese unsere
Existenz mit dem Tod endet. Das mag man als hoffnungslos oder als Realität bezeichnen.
Ich finde es tröstlich. Tatsachen haben auch etwas Beruhigendes, wenn man sie
anerkennt.
Was laut der buddhistischen Lehre wiedergeboren
wird, ist ein Bewusstseinsstrom. Ob das jedoch wirklich so ist, sagt schon der
Buddha, sei nicht wichtig und für die Praxis seiner Lehre der Leidbefreiung
ohne wesentliche Bedeutung. Ganz sicher ist es aber buddhistisch nicht so, dass
Paul Williams als Spinne oder der 13. als der 14. Dalai Lama wiedergeboren
wird, wenngleich es im Volksglauben immer wieder auch so ausgedrückt und verstanden
wird.
Die buddhistische Hoffnung ist, dass Paul
Williams schon heute mit seiner Frau und seinen Kindern vereint und glücklich
sein kann. Er braucht nicht auf irgendein Paradies in irgendeinem Himmel zu
irgendeiner Zeit zu warten.
Ein anderer, der sich am Buddhismus stößt,
ist der sehr ehrenwerte D.I. Karl Linek von der Aktionsgruppe gottlos.at.
Er kommt im eswerdelichtTV zu Wort: http://www.youtube.com/watch?v=5000vahaK0c
Der Humanist (Eigendefinition) sagt, dass
ihm die Aussage des Buddha, dass alles Leben Leid sei, zuwider ist. Das Problem
dabei ist, dass Herr Linek so wie Williams den Fehler beim Zuhören macht. Der
Buddha hat nämlich nicht gesagt, dass alles Leben Leid sei, sondern dass Leben
immer wieder mit Leiden verbunden sei und dass man dieses Leiden überwinden könne.
Man leidet dann nicht mehr – so wie jetzt – gelegentlich, sondern nie wieder. Das
– und nur das! – ist Buddhismus. Alles andere, was da von Williams und Linek kritisiert
wird, nicht.
Aber es sind ja nicht nur die Kritiker des
Buddhismus zu kritisieren, es ist der Buddhismus selbst, der gelegentlich in
einer kritikwürdigen Form daherkommt. Auch das sollten wir bedenken, sonst
könnte fälschlicherweise der Eindruck erweckt werden, nur Buddhismus glänze wie
Gold und alles andere nicht.







