Unsere Probleme haben mit dem Denken und Fühlen zu tun. Die Lösung unserer Probleme auch.
Vor 2.500 Jahren hat Buddha Shakyamuni seinen Übungsweg beschrieben, mit dessen Hilfe man das Leiden beenden könne. Das ist eine wichtige Feststellung, denn sie besagt nicht nur, dass wir alle Probleme, die wir haben, grundsätzlich überwinden können, sondern auch, dass wir das selber üben und lernen können.
Dafür braucht man weder einen Gott noch eine Religion und man muss auch nichts glauben. Man kann und soll sich aber mit dem Wesen des Menschseins und der Welt auseinandersetzen und diese erforschen.
Als die eigentliche Ursache allen Leides werden die drei hinlänglich bekannten Eigenschaften (Wurzeln) des Menschen angesehen:
das Begehren, die Ablehnung, die Illusion.
Mit Illusion ist das Unvermögen gemeint, die Ursachen des Leidens zu erkennen. Ihr wird von den drei ‚Wurzeln' die größte Bedeutung beigemessen.
Niemand will leiden und alle tun es.
Wüssten alle Menschen, wie man nicht leidet, wer würde denn noch leiden? So können wir nichts anderes tun, als uns auf eine Suche zu begeben. Das habe ich selbst vor vielen Jahren getan und als besonders wertvoll die Übung der Einsichts- oder Erkenntnismeditation erkannt, mit deren Hilfe man die Illusion, das Nicht-Wissen, überwinden und Klarheit erlangen kann.
Dies oder jenes glauben zu sollen, wie das die Offenbarungsreligionen predigen, hat mich nur weiter verwirrt. „Glaube nichts und überprüfe alles!", das schien mir das Beste zu sein.
Einsicht.
Mit ‚Erkenntnis' ist das spontane Aufblitzen persönlicher oder überpersönlicher Einsichten gemeint. Zu Letzteren gehört das Erkennen der Vergänglichkeit allen Daseins und der ,Leerheit' aller Phänomene. Der Moment dieser tiefen Erkenntnisse kann sehr eindrucksvoll sein. Für unsere alltäglichen Probleme sind die ,persönlichen Einsichten' bedeutungsvoll. Durch sie überwinden wir unsere Neurosen, Lebensthemen und Muster. Wie wichtig sie sind, erkennt man an Beispielen, in denen keine ,Einsicht' besteht:
In der katholischen Kirche und in der Gesellschaft haben Hunderte, möglicherweise Tausende Priester und Erzieher kleine Kinder missbraucht. Oft haben das sogar ihre Vorgesetzten bewusst verschwiegen und geduldet.
Griechenland ist an den Rand eines Konkurses gekommen. Viele Griechen haben ihre Steuern nicht regulär bezahlt und ein komplexes System der Bestechungen und Begünstigungen aufrechterhalten.
Ein junger Mann belügt ständig seine Frau. Sie lässt sich scheiden.
Die geschilderten Probleme haben alle etwas Gemeinsames. Alle beschriebenen Menschen leiden in nicht unbeträchtlichem Ausmaß. Die Priester und deren Vorgesetzte, die heute am Pranger stehen, die griechischen Bürger, die ihre Schulden nicht bezahlen können, der junge Mann, den seine Frau verlassen hat. Und sie alle haben keine Einsicht in ihr Verhalten, das ihnen selbst und anderen Leid verursacht hat.
Institutionen sind leere Gebilde.
Wir weisen gerne den Institutionen die Verantwortung zu, der Kirche, dem Staat, der Ehe, und es ist richtig, dass es dort Strukturen gibt, die Missbrauch, Bestechung, Unwahrheiten eher fördern. Trotzdem sind Institutionen lediglich abstrakte Gebilde, die von Menschen gemacht und geführt werden. Diese selbst sind die Ursache der beschriebenen leidvollen Zustände und nur die handelnden Personen können ihr Fehlverhalten – durch Einsicht – überwinden. Wie wenig persönliche Einsicht oft vorhanden ist, kann man an den Reaktionen einzelner Beschuldigter erkennen, die im Fernsehen zu den Vorgängen befragt werden.
Ich glaube den Priestern, dass sie grundsätzlich weder für sich noch für die Kinder oder die Kirche etwas Schlechtes beabsichtigt hatten, und trotzdem ist die Sache für sie selbst und alle anderen ganz schlecht ausgegangen. Sie haben die verheerende Wirkung ihres Handelns nicht gesehen und daher nicht erkannt. Das ist die Illusion, in der sie leben. Das gleiche Prinzip gilt für die Griechen und auch für den jungen Mann. Unsere Illusion liegt darin, nicht zu sehen, dass wir uns in vielen Fällen genauso verhalten. Die oft verheerende Auswirkung unseres Tuns, mag sie auch ganz anders aussehen als in den drei genannten Beispielen, können auch wir nicht erkennen.








