Das Tibetische Totenbuch ist sicher eine der bekanntesten Schriften des Buddhismus, obwohl es vermutlich nicht viele gründlich gelesen haben. Es bietet eine einzigartig dastehende genaue Beschreibung der Reise des Geistes beim Sterben und nach dem körperlichen Tod, eine Anweisung zum Umgang mit den Zwischenzuständen und ihren Erscheinungen. Selbst in den ursprünglichen Reden des Buddha findet sich nichts Vergleichbares. Dennoch hat der Buddha den Umgang mit dem Sterben und dem Tod gelehrt und damit auch die Grundlagen für das Totenbuch geschaffen. Deshalb lohnt es sich zu erforschen, was wir darüber in den Reden des Buddha finden.
Wissen
Paul Köppler über das tibetische Totenbuch
Befreiung vom Tod
Vollendet in Wissen und Wandel
Der Inhalt der ersten Zuflucht ist:
„Der Ehrwürdige ist so: vollkommen zur Erlösung gelangt, vollkommen richtig von selbst zur Wahrheit erwacht, in Wissen und Wandel vollendet, hat den Weg durch die Wiedergeburten gut beendet, ist ein Kenner der Welten, ein unübertrefflicher Lenker der bezähmbaren Menschen, Lehrer der Götter und Menschen, ein Buddha, ein Ehrwürdiger."
Worte der Lehre
Keine Angst vor dem Tod
„Welcher Sterbliche aber, Brahmane, gerät vor dem Tode nicht in Furcht und Angst?"
„Da ist einer, Brahmane, bei den Sinnenfreuden frei von Gier und Willensdrang, frei von Zuneigung und Durst, frei von fieberhaftem Verlangen und Begehren. ...
Ferner noch, Brahmane: da ist einer beim Körper frei von Gier und Willensdrang, frei von Zuneigung und Durst, frei von fieberhaftem Verlangen und Begehren. ...
Ferner noch, Brahmane: da hat einer nichts Schlechtes getan, hat keine rohen und gemeinen Taten begangen, sondern er hat edle, heilsame Werke vollbracht, die die Furcht der Wesen bannen. ...
Worte der Lehre
Betrachtung des Atems
„Achtsam atmet er ein, achtsam atmet er aus.
Lang einatmend, weiß er: ‚Ich atme lang ein',
lang ausatmend, weiß er: ‚Ich atme lang aus.'
Kurz einatmend, weiß er: ‚Ich atme kurz ein',
kurz ausatmend, weiß er: ‚Ich atme kurz aus.'
‚Den ganzen (Atem-)Körper empfindend,
werde ich einatmen', so übt er;
‚Den ganzen (Atem-)Körper empfindend,
werde ich ausatmen', so übt er;
Martin Buber und der Zen-Lehrer
Raphael Yehuda Zvi Werblovsky, emeritierter Professor der Hebräischen Universität in Jerusalem und Mitbegründer des „Israel Interfaith Comitee", überliefert uns eine Geschichte über eine Begegnung zwischen einem jüdischen Gelehrten und einem Zen-Lehrer. Diese Geschichte kann als eine moderne Version der chassidischen Erzählungen (Aggada) oder der Zen-Erzählungen verstanden werden. Im Folgenden möchte ich zunächst die Geschichte wiedergeben und dann das Geheimnis ihres Reizes aus einer anthropologischen Sicht heraus erläutern.
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