ursache.at

31. Juli

Letztes Update:10:12:56

HOME > Buddhismus > Wissen > Spirituelle Praxis in sexueller Vereinigung

Spirituelle Praxis in sexueller Vereinigung

UW79SCHW-Spirituelle_Praxis_inIm Schamanismus, in antiken Kulten, im Tantrismus, aber auch im islamischen Sufismus gab und gibt es diese Form der Praxis. Sie war und ist bis heute kleinen Randgruppen vorbehalten. Peter Riedl hat vier Videos zum Thema ausgesucht.

1968. Wir fahren mit einem VW-Käfer von Wien nach Indien. In dem kleinen Dorf Khajuraho blicken wir auf viele dicht nebeneinander stehende Tempel aus dem 13. Jahrhundert. Ich bin tief beeindruckt. Sie sind mit halbnackten Göttinnen und Göttern übersät. Einige sind in ausgefallenen sexuellen Stellungen vereinigt, im Onanieren, zu zweit, zu dritt und in ganzen Gruppen, einmal sogar mit Tieren.

Ich bin, so wie wir alle, mit einer Kirche aufgewachsen, in der Sex und Religion zwei getrennte Dinge waren. Jegliche Form von Sexualität war außerhalb der Ehe und für Priester streng verboten. Die einzige Verbindung zwischen den beiden Dingen war wohl jene, dass sich nur wenige daran gehalten haben und dass es in der Priesterschaft durch die Verbote zu schrecklichen Missbräuchen gekommen ist.

Mir fällt meine Kindheit ein. Als klitzekleiner Bub war ich fest überzeugt, die kleinen Kinder werden in der Kirche gemacht. Das junge Paar tritt vor den Altar und kommt mit einem kleinen Kind nach Hause. Als ich die Wahrheit erfuhr, war ich schrecklich enttäuscht.

Jahre später, nun selbst – gegen das Verbot der Kirche – sexuell tätig, hatte ich, wie viele junge Menschen, auch sexuelle Fantasien. Einige davon in der Kirche und am Altar. War das eine geheime – vielleicht infantile – Sehnsucht nach einer Verbindung von Sex und Religion?

Und plötzlich stehe ich hier in einem kleinen indischen Dorf und sehe meine Fantasien, die vor 700 Jahren kunstvoll in Stein gemeißelt wurden. Ich beginne zu ahnen, dass Sex und Religion doch nicht zwei getrennte Dinge sein müssen, sondern auch zusammengehören können.

Danach fuhr ich nach Hause, nahm mein Studium auf – und vergaß die Sache.

20 Jahre später begann ich, ohne es vorerst zu wissen, eine spirituelle Suche. Die Initialzündung fand – so ein Zufall – bei einem Seminar über sensitive Massage statt. Der Leiter war Ray Stubbs und er hatte auch eine Massage von Lingam und Yoni, das sind die Sanskrit-Bezeichnungen für Penis und Vagina, angeleitet. Das war für alle Teilnehmer sehr aufregend, einige haben gar nicht mitgemacht. Ich traf dort einen Arbeitskollegen aus meiner Abteilung. Ganz leicht war das alles nicht.

Sexualität außerhalb des herkömmlichen Rahmens ist für die meisten Menschen nur schwer vorstellbar. Deshalb habe ich vier Video-Beispiele ausgesucht und auf die Homepage www.ursache.at   gestellt.

 

The Sacred Prostitute
von Kenneth Ray Stubbs

Ray Stubbs kommt aus einem kleinen Dorf in Arizona, einem der hintersten Winkel in den USA. Der kleine Ray ist dort mit Schwester, Mutter und Großmutter aufgewachsen, einen Mann dazu hatten sie nicht im Haus. Mit der Hippiebewegung kam er nach San Francisco, in jene Stadt, in der mit der freien Liebe alles begann. Er studierte an einer sogenannten ‚University of Advanced Human Sexuality' und graduierte mit einem Doktortitel. Seitdem widmet er sich dem Thema Sexualität und Spiritualität. Er hielt Seminare zur sensitiven Massage, schrieb Bücher, beschäftigte sich mit Tantra und nun mit einem ‚Sexuellen Heilen', das aus dem Schamanismus stammt.

Im Film kommen ‚Heilige Prostituierte', ‚sexuelle Schamanen', ‚Priesterinnen', Psychotherapeuten, Religionswissenschaftler und Vertreter der großen Religionen selbst zu Wort.

Eine Aussage des tibetisch-buddhistischen Mönchs ZaChoeje Rinpoche finde ich besonders interessant. Er lebt zölibatär und unterdrückt trotzdem nicht seine sexuelle Energie. Wie geht das? Sie wird lediglich visualisiert, kommt so ins Fließen, es wird aber weder der eigene Körper noch der einer Partnerin dabei berührt.

In Europa ist diese Form des ,Sexual Healings' verboten. Vielleicht wird sich das einmal ändern? Ray Stubbs gehört sicher zu den Vorkämpfern für etwas, was auch in den USA nicht Alltag sein dürfte.

Der Film ist ausgezeichnet gemacht, sehr informativ und zeigt eindrucksvoll eine ungewöhnliche Form von Therapie. Im Original finden sich ein paar Passagen, die für europäische Augen etwas ‚amerikanisch' wirken, in der gekürzten, hier vorliegenden Fassung sind sie kaum vorhanden.

Wäre ich ein Filmkritiker: Prädikat sehenswert.

Kenneth Ray Stubbs

Amerikanisch-westlicher Schamanismus, ‚The Sacred Prostitute', 2001, Palo Alto, Ca, USA, www.sexualshaman.com

Der Film wurde im Einverständnis mit Dr. Ray Stubbs stark gekürzt und ist unter www.ursache.at/sacred-prostitute zu sehen. Die Original-DVD-Box besteht aus 2 Filmen: 'The Sacred Prostitute' und 'Magdalena Unveiled' und kann hier bestellt werden.



Kommentar schreiben