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22. Oktober

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Alois Payer über die ‚Zweite Zuflucht'.

Schrittweis geht über sprungweis

UW80ST-Schrittweise„Merke: Buddha hat den leidenden, bei ihm Rat suchenden Menschen nicht die ‚Vier Edlen Wahrheiten' um die Ohren geknallt." – So endete im letzten Heft der erste Teil der Betrachtungen über die Zuflucht zur Lehre Buddhas.

Wie ist Buddha aber dann bei der Vermittlung seiner Lehre vorgegangen? Je nach Situation unterschiedlich. Oft aber schrittweise in der ‚Stufenpredigt' (anupubbikathā).

„Schrittweis geht über sprungweis." (Sprichwort)

Danach sprach Buddha in folgender Reihenfolge, wobei er zum nächsten Punkt nur dann überging, wenn er überzeugt war, dass der vorhergehende ‚angekommen' war.

1.) über die Freigebigkeit

2.) über die Sittlichkeit

3.) über die Himmel

4.) über die Nachteile der Gelüste

5.) über die Vorteile der Entsagung

6.) wenn dann der Buddha bemerkte, dass die Hörer geeignet sind, lehrte er sie die ‚Vier Edlen Wahrheiten'

Die Stufenpredigt führt über Lockerungsübungen zur Anleitung zur richtigen Sicht der Wirklichkeit.

Die Lockerungsübungen dienen der Auflockerung der Fesseln unserer Selbstsucht, Selbstdurchsetzung, sei es unseres individuellen Selbst, sei es einer höheren Einheit, als deren Teil und Funktionsglied wir uns sehen. Selbstlosigkeit im Sinne des Buddhismus bedeutet nämlich nicht Integration in eine höhere Einheit wie das All, Gott, Gottes Wille, die Menschheit, die Evolution und Ähnliches.

Die erste Lockerungsübung ist Freigebigkeit, und zwar materielle Freigebigkeit. Freigebigkeit ist eine Lockerungsübung, um sein Festhalten, sein Anhaften, seine Gier, seine Aggression zu vermindern.

„Ein Milder breit sich aus, ein Geizhals krümmt sich ein;

Der fängt schon an bestrickt und jener frei zu sein." (Angelus Silesius)

Die zweite Lockerungsübung sind die Trainingspunkte der Sittlichkeit, der freigebigen Gabe der Angstlosigkeit und Furchtlosigkeit: Ich trainiere ein solches Verhalten, damit meine Mitwelt vor mir keine Angst und Furcht haben muss.

„Viel Angst ist keiner Katze gesund." (Sprichwort)

Nun eine dritte Lockerungsübung: die Relativierung der Freuden und des Glücks. Diese Funktion erfüllten im alten Buddhismus unter anderem die Himmel mit ihren angeblich so viel größeren Freuden. Heute brauchen wir dafür keine Himmel mehr. Wir erfahren es in unserer schnelllebigen Zeit täglich: Unsere ganze Wirtschaft und Gesellschaft beruht ja darauf, dass wir immer Besserem und Neuerem nachrennen. Jetzt haben wir es erwischt und in fünf Jahren halten wir es für schlecht, minderwertig, altmodisch.

„Das Bessere ist der Feind des Guten, sagte der Pfaff, ließ die Brattaube liegen und griff nach dem Fasan." (Sprichwort)

Dies führt zur vierten Lockerungsübung, der Einsicht, dass auch das Gute ein bisschen hohl und leer ist.



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