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25. Mai

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Der Mönch Tenzin Gyatsho

Seine Heiligkeit der Dalai Lama

UW80SCHW-Seine_HeiligkeitFür viele Buddhisten ist er die Verkörperung von Avalokiteshvara, dem Bodhisattva des Mitgefühls. Andere wiederum halten ihn für einen ‚Gottkönig'.

Gegen Ende der fünfziger Jahre bedeutete dieser Titel, dass er der stellvertretende Vorsitzende des ‚Ständigen Ausschusses der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes' (PKKdCV) war. Und als er 1959 von Tibet nach Indien ins Exil floh, nannte man ihn in China einen Konterrevolutionär und einen Parasiten. Aber alle diese Bezeichnungen entsprechen nicht seinen eigenen Vorstellungen. Er selbst sieht sich in erster Linie als einen Menschen und dann erst als einen Tibeter, der ein buddhistischer Mönch ist.

Die Rede ist von Seiner Heiligkeit, dem 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso, dem geistigen Oberhaupt Tibets. Geboren wurde er am 6. Juli 1935 in dem kleinen Bauerndorf Taktser, Amdo, im Nordosten von Tibet. Seine Eltern gaben ihm den Namen Lhamo Dhondup. Sie waren eigenständige Kleinbauern, die ein Stück Land besaßen, das es ihnen ermöglichte, sich selbst zu versorgen. Lhamo wurde nicht nur in eine kinderreiche, sondern auch in eine sehr spirituelle Familie hineingeboren. Sein älterer Bruder Thupten Jigme Norbu ist die Reinkarnation eines hohen Lama und ging nach Kumbum, einem berühmten Kloster, das sich ganz in der Nähe seines Geburtsortes befand. Normalerweise werden niemals mehrere hochrangige Tulkus oder Lamas in eine einzige Familie hineingeboren. Deshalb hätte niemand auch nur im Traum daran gedacht, dass es sich bei Lhamo um eine der wichtigsten tibetischen Inkarnationen handelt.

Verschiedene Hinweise brachten die Regierung von Lhasa dazu, knapp drei Jahre nach Lhamos Geburt einen Suchtrupp in seinen Heimatort zu schicken. Dieser sollte überprüfen, ob es sich bei dem kleinen Jungen tatsächlich um die Reinkarnation des 13. Dalai Lama handelt. Verschiedenste Vorzeichen hatten nämlich darauf hingedeutet, dass sich die Wiedergeburt in dieser entlegenen Region Tibets befinden würde. Eines davon war der verstorbene 13. Dalai Lama selbst, der ihnen tot und einbalsamiert den Weg zu seinem Nachfolger gewiesen hatte. Sein Leichnam war ein letztes Mal auf den Thron gesetzt worden, hatte über Nacht den Kopf gedreht und blickte am nächsten Morgen Richtung Nordosten, dorthin, wo der kleine Lhamo lebte.

Der Suchtrupp war den Zeichen gefolgt. In dem kleinen Ort angekommen, bat man die Eltern des Auserwählten um ein Nachtlager. Mit dem Gefühl, den 14. Dalai Lama gefunden zu haben, reiste die Delegation wieder ab und kam bereits wenige Tage später mit verschiedenen Gegenständen zurück, wovon einige dem 13. Dalai Lama gehört hatten, andere ihnen aber nur ähnelten. Solche Tests werden in der Regel durchgeführt, um sicherzugehen, auch tatsächlich die gesuchte Reinkarnation gefunden zu haben. Lhamo bestand die Tests und wurde als 14. Dalai Lama anerkannt.

Verantwortung als Führungsperson

Wie es wohl nur wenigen Menschen widerfährt, so wurde dem Dalai Lama in seiner Position bereits in jungen Jahren eine sehr große Verantwortung zuteil: Mit nur 15 Jahren wurde er zum weltlichen und geistigen Oberhaupt Tibets ernannt. Die erste große Herausforderung für das junge Oberhaupt ließ nicht lange auf sich warten. Bereits kurz nach seiner Ernennung marschierten 1950 chinesische Truppen in Tibet ein.

Im Jahre 1956 fuhr er anlässlich der 2.500-Jahr-Feier von Buddhas Parinirvana nach Indien. Dort rieten ihm viele Berater, in Indien zu bleiben und nicht mehr in die Heimat zurückzukehren. Bereits hier wurden erste Anzeichen seines Charakters deutlich, der immer darauf abzielte, Lösungen für ein friedliches Miteinander zu suchen: Er kehrte nach Lhasa zurück und versuchte, eine friedliche Koexistenz mit der chinesischen Besatzungsmacht zu finden. Trotz aller Bemühungen wurde der tibetische Volksaufstand am 10. März 1959 von chinesischen Truppen brutal niedergeschlagen. In dieser Zeit wurde ein trauriges Stück tibetischer Geschichte geschrieben, denn rund 90.000 Tibeter ließen in diesem letzten Aufbäumen bis 1960 ihr Leben. Aufgrund dieser fatalen Situation war Seine Heiligkeit dann doch gezwungen, sein Heimatland zu verlassen und nach Dharamsala, im nordindischen Himalaya, ins Exil zu flüchten. Dorthin folgten ihm rund hunderttausend Tibeter.

Von seiner zweiten Heimat aus fordert das tibetische Oberhaupt ohne Unterlass die Unabhängigkeit Tibets von China ein und ruft zum gewaltlosen Widerstand gegen die chinesischen Besatzer auf. Besonders in den ersten Jahren seines Exils appellierte er an die UNO, eine Lösung für die Tibet-Frage zu finden. Diese beschloss daraufhin in den Jahren 1959, 1961 und 1965 Resolutionen, in denen sie China aufforderte, die Menschenrechte der Tibeter und ihr Recht auf Selbstbestimmung zu achten.

Arbeit für den Frieden

Im Jahre 1987 bemühte sich der Dalai Lama mit der Vorlage eines Fünf-Punkte-Friedensplans um die Klärung des zukünftigen Status von Tibet. Diesen erläuterte er im Juni des folgenden Jahres vor dem Europaparlament in Straßburg. Durch solche Initiativen forderte er eine echte Autonomie für Tibet im Rahmen der Volksrepublik China. Darüber hinaus setzte er sich dafür ein, Tibet zu einer Friedenszone zu erklären, die massive Umsiedlung von Chinesen nach Tibet zu stoppen, die Menschenrechte wiederherzustellen sowie das Verbot zu erlassen, in Tibet Atomwaffen oder Atommüll zu lagern.