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19. Juni

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Gesund durch das rechte Maß

Traditionelle tibetische Heilmedizin„Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen", meinte schon Paracelsus. Für jede Energiestörung gibt es ein ausgewogenes pflanzliches Vielstoffgemisch, könnte ein Spruch der Tibetischen Medizin lauten. Und ‚ohne rechtes Maß' gibt es keine Gesundheit, gilt wohl für alle.

Der Schweizer Psychiater und Begründer der Analytischen Psychologie C.G. Jung (1895-1961) stellte dem modernen Menschen schon vor Jahrzehnten in seiner seelischen Existenzbetrachtung ein erschütterndes Zeugnis aus. Nach seiner Ansicht hat der moderne Mensch seine Seele für zusammenhanglose Fakten verkauft und taumelt nun in einem Meer der Gefühlskälte und Orientierungslosigkeit durch die Welt.

Angetrieben durch den Anspruch, ein ‚Face' oder ein ‚Portal' zu besitzen, bemerkt der moderne Mensch nicht den Verlust des Mythos ‚Menschsein', der seinem Leben tieferen Sinn und Richtung verleiht. Dieses Menschsein beinhaltet die Vorstellung einer energetisch ausgewogenen Verbundenheit des Menschen mit allen kosmischen Strukturen, welche sich nicht in einem Internetportal abbilden lassen.

Diesen Verlust an Sinn und Richtung auf das rechte Maß bezogen muss auch die moderne abendländische Medizin beklagen. Auch der noch so tapfer verteidigte Begriff der ‚klinisch relevanten Evidenz', gleichsam als Krone naturwissenschaftlicher Erkenntnis, kann den Zustand vollständiger Gesundheit oder deren Abwesenheit nicht ausreichend beschreiben. Der Begriff der klinischen Evidenz würde nur dann genügen, wenn die Krankheit in einer mechanistisch begründeten Weltsicht die Abwesenheit von Gesundheit wäre und nicht, wie im realen alltäglichen Leben, sich Krankheit auch als eine sekundäre Erschütterung der Seele zeigen würde, welche die physiologischen Prozesse beeinflusst. Carlo Zumstein (Schamane, Psychotherapeut, Winterthur) spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Seelenteile den Körper vor dem Eintritt eines Traumas verlassen – gleichsam als Schutzreflex des Körpers vor dauerhaftem Schaden. Was sich neben den seelischen Traumen manifestiert, sind jedoch auch zelluläre Traumen, die im Sinne epigenetischer Vorstellungen Veränderungen im Erbgut auslösen oder zu kurzzeitigen, aber auch chronischen Funktionsverlusten wichtiger biochemischer Regulationselemente führen können.

Das ‚rechte Maß' kann als Grundlage für eine dauerhafte Gesundheit verstanden werden, als Denkanstoß für die biologische Vernunft in allen Lebenslagen.

Lineare Denkweise als Beschränkung
Die westliche Medizin betont die mechanistische Konstellation des Organismus sowohl bei der Diagnosefindung als auch bei Therapiemaßnahmen. Eine Krankheit stellt demzufolge eine Unordnung in dieser Beziehung dar. Alle gewählten therapeutischen Maßnahmen zielen auf die Beseitigung dieser Unordnung durch die Aufhebung der Ursache ab. Man definiert also, je mehr an Reizen gegeben wird, desto stärker ist die Antwort des Körpers und umgekehrt. Dieses lineare Denken bezieht sich auf das Verhältnis von Ursache und Wirkung, trifft jedoch in biologischen Systemen nur eingeschränkt zu. Ich bin nicht umso gesünder, je mehr ich esse und trinke oder je mehr ich mich bewege, sondern es gilt, das rechte Maß, die Ausgewogenheit in Nahrungsaufnahme und Bewegung zu finden.
Ein Beispiel aus der Stoffwechselmedizin soll diesen Gedanken vertiefen.

Die Fettleibigkeit ist ein modernes Phänomen der westlichen Gesellschaft und nicht mehr, wie etwa vor 20 Jahren, eine Erkrankung von 70-Jährigen, sondern bereits eine ernsthafte Stoffwechselerkrankung von 7-Jährigen. Der Verlust des rechten Maßes bei ungesunder kohlenhydrat- und fettreicher Ernährung zeigt sich sprichwörtlich durch den Verlust der normalen Körperform. Medizinisch bedenklich ist der Umstand, dass Fettleibigkeit in unserer Gesellschaft fast ausschließlich als ‚Formfehler' diskutiert wird und dabei verborgen bleibt, dass Fettleibigkeit eine Entzündungserkrankung mit dauerhaften Störungen des gesamten Organismus ist. So wird die Maßlosigkeit zur Quelle chronischer Veränderungen bis hin zu Krebserkrankungen. Ausgelöst wurde die lineare Denkweise durch die moderne Technik, da in technischen Bereichen lineare Prozesse vorherrschen. Linearität wurde in unserer Gesellschaft zum Faustpfand der Berechenbarkeit und Präzision und deshalb auch auf die Medizin angewandt. Biologische Systeme folgen Regelkreisen, die nur im ausgewogenen Zustand robust bleiben und ihre Arbeit verrichten können. Herbert Schwabl spricht vom unerfüllbaren Traum der analytischen Wissenschaft im Umgang mit Monosubstanz-Medikamenten.

Das Postulat, dass ein gezielter Eingriff an unserem Körper mit einer wohldefinierten Monosubstanz die beste Heilwirkung bringt, sieht die Tibetische, aber auch die Ayurvedische Medizin nicht erfüllbar.

Der Grund liegt in der Unerfüllbarkeit zweier Postulate:
a) dem Postulat der nebenwirkungsfreien Zielgenauigkeit von Monosubstanzen
b) dem Postulat der allgemeinen Gültigkeit von vereinfachten Messmodellen zur Interpretation der Wirklichkeit komplexer Systeme

Eine chemisch lineare Denkweise setzt voraus, dass für einen gezielten medikamentösen Eingriff das Körperziel (der Schaden) genau bekannt und dieses von der Monosubstanz nebenwirkungsfrei angesteuert werden kann und dass zur Umgehung der Komplexität bei der wissenschaftlichen Überprüfung der Wirkung Modellsysteme den Organismus ausreichend abbilden.

Beide Annahmen sind nicht erfüllbar und entlarven so die Linearität als unbrauchbare Vorgabe für unser medizinisches Handeln. Nur durch die Hereinnahme des Begriffes der Ganzheit wird Heilung möglich.

Pflanzliche tibetische Mehrstoffgemische gehorchen durch die ihnen innewohnende biologische Vernunft der Komponenten im Mehrstoffgemisch diesem Ganzheitsbegriff.



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