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17. September

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Wie viel Sex braucht der Mensch?

UW79SCHW-Wievel_Sex_braucht_der_MenschSexualität ist ein primäres Element des Lebens, alle Menschen sind als zwei Geschlechter geboren und jeder ohne Ausnahme muss Antworten auf die Fragen von Liebe und Sexualität finden. Das ist eine Aufgabe, die im günstigsten Falle alle reifen menschlichen Qualitäten entwickelt, im weniger günstigen Fall zu Notlösungen führt.

„Sexualität (Synonym: Liebe) ist die freiwillige körperlich-seelische gegenseitige Anziehung und Vereinigung von zwei geschlechtsreifen, meist heterosexuellen Menschen mit der Folge einer sich zum Orgasmus steigernden und danach entladenden psycho-physischen Lusterregung und dem de facto oder potentiellen Ziel der Fortpflanzung", schreibt das Handwörterbuch Psychologie (Asanger 1999). Das klingt nüchtern und reduziert, dennoch wird betont, dass es sich um eine ganzheitliche psycho-physische Anziehung und Vereinigung handelt. Man darf menschliche Sexualität nämlich einerseits keinesfalls als einen ‚Trieb' im Sinne einer Biomechanik missverstehen, das ist eine extrem verkürzte Rückübertragung der eigenen biologischen Modelle auf den Menschen. Allein die Tatsache, dass wir bewusst enthaltsam sein können, widerspricht dem.

Sexualität aber andererseits mit ‚Liebe' gleichzusetzen ist aus spiritueller Sicht eine ebenso fehlerhafte Einengung universaler, unbedingter und alle fühlenden Wesen einschließender Liebe. Shamar Rinpoche erinnert uns: „Diese Liebe ist frei von Anhaftung. Es ist nicht die verrückte Leidenschaft des ‚Verliebtseins'. Gemischt mit Emotionalität sind Liebe und Mitgefühl ungeschickt und können zu einem Durcheinander führen." Letzteres ist allerdings das Kernthema vieler Partnerschaften. Sie bewegen sich im Spannungsfeld von starken Gefühlen, Begierde, Sex, offener, selbstloser Liebe und Freiheit.

In verschiedenen Lebensphasen kann Sexualität ganz unterschiedlich wichtig und ausgeformt sein. Sie ist immer Teil der Person und spiegelt ihre Gesamthaltung zu Mitmenschen und Welt. Wir gestalten alles im Leben unseren früher erworbenen Gewohnheiten, Tendenzen und Zielen entsprechend. Sexuelle Energie ist eine Form der universalen Lebensenergie prana. Die konkrete Sexualität aber nimmt die Formen der jeweiligen Charaktere an, die mehr oder weniger befriedigend sein können: Ein Mann, der ängstlich ist, wird eher die Mutter in einer Partnerin suchen und wenig Spaß an der Lust haben; eine Frau, die Männern nicht vertraut, wird Sex vielleicht als Manipulationsmittel einsetzen, und ein Mann, der Frauen hasst, wird sich vielleicht nur bei Prostituierten gut fühlen, die er beherrschen kann. Wie man lebt, so liebt man.

In vielen Kulturen, auch in der unseren, gilt es als Zeichen von psychischer und sozialer Gesundheit, ein erfülltes Sexualleben zu haben. Sex ist Teil der menschlichen Ganzheit und eine Quelle riesiger Freude. Zugleich kann Sex auch zu sehr schweren Problemen führen, vom Missbrauch über Eifersucht, Zorn oder Hass bis zur Abhängigkeit. Darin unterscheidet sich Sexualität in nichts von all den anderen möglichen Erfahrungen und Emotionen: Man kann extreme Anhaftung oder Ablehnung entwickeln oder sie ohne Mitgefühl instrumentalisieren.

Buddha hat für Mönche zahlreiche Gelübde der Enthaltung eingeführt. Er selbst hatte reichlich sexuelle Erfahrung. Für Nicht-Mönche besteht auch keinerlei Notwendigkeit, auf Sexualität zu verzichten. Es geht vielmehr darum, ethisches Verhalten im Sinne der sechs heilsamen Handlungen (paramitas) zu praktizieren.

Sex kann ein großes Geschenk und eine heilsame Handlung sein. Enthaltung kann ebenso eine heilsame Handlung sein. Es kommt immer auf die wahren Motive an.

Ethisches Handeln impliziert buddhistisch auch, ‚ein reines sexuelles Verhalten zu pflegen' (Gampopa), etwa bestehende Beziehungen zu respektieren. Auch Eifersucht oder Beschränkungen von Freiheit eines Partners erzeugen Leid. Liebe ist ein überpersönliches Geschenk des Lebens an die Partner, kein Besitz und kein Anspruch. Einander achtsam und lustvoll tief zu berühren ist nicht dasselbe wie sich zu umklammern. Wenn man loslässt, sich öffnet und sich vor dem Wunder des Gegenübers verneigen kann, dann strömt Liebe von selbst.

Als Buddhist kann man grundsätzlich drei Fahrzeuge besteigen: das Kleine oder Grundlagen-Fahrzeug (Hinayana), das Große Fahrzeug (Mahayana) oder das tantrische Fahrzeug des Diamantwegs (Vajrayana). Der Hinayana-Buddhist hat vor allem seine eigene Befreiung als Ziel und hält sich meist als Mönch von möglichen Störungen fern, also auch von der Sexualität. Der Mahayana-Buddhist sucht, auch meist enthaltsam, die Befreiung zum Wohle der anderen als Bodhisattva. Der tantrische oder Diamantwegs-Buddhist schließlich geht den Weg auch als Bodhisattva, aber unter Einbeziehung aller Realitäten des Lebens, etwa als Yogi, Laienverwirklicher oder ‚Haushälter' mit Familie. Schwierigkeiten und starke Gefühle werden nicht vermieden, sondern verstehend durchdrungen und transformiert. Die Geistesgifte sind so der Rohstoff für die Entwicklung der korrespondierenden Buddha-Weisheiten.

Tantra ist ein Begriff des Sanskrit, meint eine bestimmte Sammlung von Schriften und bedeutet vom Wortsinn her ‚weben'. Das wiederum heißt, dass man auf dem tantrischen Entwicklungsweg alle Ebenen von Körper, Rede und Geist durchdringend verändert. Die oft in der Fantasie vieler Menschen überbetonte sexuelle Komponente des ‚Tantra' stammt aus dem Hinduismus. Im tantrischen Buddhismus geht es aber nicht um Sex, sondern um eine Transformation der Begierde im eigenen Geist: „Aus Begierde bist du an die Welt gefesselt, und durch dieselbe Begierde wirst du von ihr befreit" (Hevajra Tantra). Lesen Sie mehr dazu auf Seite



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