ursache.at

30. August

Letztes Update:10:12:56

HOME > Gesundheit > Wissenschaft > Ayurveda ist eine Weltenlehre

Ayurveda

Ayurveda ist eine Weltenlehre

Ayurveda WeltenlehreAyurveda ist das Wissen vom guten und langen Leben. Die alte indische Medizin baut auf der Beobachtung der fünf Elemente Raum, Luft, Feuer,Wasser und Erde auf und hat sich so zu einem dynamischen Lebenskonzept entwickelt.

Betrachtet man die verschiedenen Elemente genau, stellt man fest, dass Luft nie gleich Luft ist und Erde nie gleich Erde. Die Luft kann der Atem eines Menschen sein, eine angenehme Sommerbrise oder ein vernichtender Orkan. Genauso verhält es sich mit der Erde und den anderen Elementen. Überträgt man dieses Wissen auf die Menschen, so wird deutlich, dass nicht für alle Menschen ‚das Gleiche' gültig sein kann. Die fünf Elemente werden im Ayurveda zu drei energetischen Prinzipien, den Dosha-s Vata, Pitta und Kapha, zusammengefügt und ergeben die Basis der ayurvedischen Lehre. Jedes Dosha setzt sich aus zwei Elementen zusammen, die seine Eigenschaften und Funktionen inner- und außerhalb des menschlichen Körpers bestimmen.

Vata setzt sich zusammen aus Raum und Luft, ist insofern beweglich, leicht, kalt, trocken, rau und hart. Seine Funktion ist die Bewegung. So wie der Wind die Blätter bewegt, so werden die Muskeln des Körpers von Vata bewegt – ebenso wie unsere Gedanken.

Pitta ist das Prinzip der Transformation, es setzt sich zusammen aus Feuer und Wasser, ist daher heiß, leicht ölig, riechend, fließend und leicht. Alles, was verdaut, transformiert oder verbrannt wird, wird von Pitta verändert und ist in der Mitte der Nahrungsaufnahme aktiv.

Kapha ist das dritte Dosha, es wird gebildet aus Wasser und Erde, seine Eigenschaften sind kalt, schwer, weich, glatt, schleimig, langsam, ölig und stabil. Seine Aufgabe ist es, Struktur, Stabilität und Feuchtigkeit zu geben. Kapha ist das Zellmaterial, also das Endprodukt der Nahrungsaufnahme.

Vata, Pitta und Kapha sind das Grundgerüst unseres Daseins und jeder Prozess, der im Körper stattfindet, wird von den drei Dosha-s bestimmt.

Typbestimmung als Falle
Jeder Mensch kommt mit einer bestimmten Konstitution der Dosha-s auf die Welt, d.h. eines oder zwei der Dosha-s sind dominant und bestimmen Charakter, Körperbau und Körperfunktionen. Allerdings ist diese Konstitution so gut wie nie in reiner Form festzustellen, da der Körper – und somit auch die Dosha-s – permanent Veränderungen ausgesetzt ist, sei es durch Klima, Ernährung, Lebensalter oder Lebensumstände. So kann ein Mensch zwar eine bestimmte Grundkonstitution haben, aber seine gesundheitliche Problematik liegt vor allem in der veränderten Konstitution, im Ungleichgewicht.

Dieses Konzept der Grundkonstitution ist die große Falle für uns westliche Menschen. Sofort verlassen wir den Pfad der Individualität und des dynamischen Lebensprozesses, wie ihn die Elemente vorgeben, und versuchen, zu kategorisieren und die passende Schublade zu finden. In jedem Kochbuch ist ein Typ-Bestimmungs-Test zu finden und anhand eines Punktesystems lässt sich leicht und schnell feststellen, mit welcher Konstitution man ausgestattet ist. Jedes Rezept hat eine entsprechende Bezeichnung, je nachdem, welches Dosha beim Verzehr erhöht oder verringert wird. So wird ayurvedisches Essen zum einen unter Umständen mühsam und kompliziert, zum anderen kann es ungewollt zu einer Verschlimmerung der Probleme kommen. Zum Beispiel kann ein Mensch von seiner Grundkonstitution viel Pitta, also Hitze, haben und trotzdem einen verschleimten Kopf aufgrund einer Verkühlung, also eine Kapha-Inbalance. Isst dieser Mensch weiterhin kühlende Dinge, wie es ihm wegen seiner Pitta-Konstitution geraten wird, kommt es zu einer Verschlechterung des Kapha-Problems.

Wenn es so einfach wäre, mit ein paar Tests herauszufinden, wer wir sind, bräuchten wir uns nicht ein langes Leben damit abplagen, diese Frage zu beantworten. Wir wären sehr schnell ‚angekommen', alle erleuchtet und unsere Welt wäre eine glückliche. Aber vielleicht kommt das ja nach 2012.

Ayurveda als Lebenslehre
Ayur-veda, die Wissenschaft, die Wissen schafft vom guten, langen Leben, ist das umfassendste bekannte Gesundheitssystem. Es reicht von der ayurvedischen Medizin, die wiederum acht Bereiche abdeckt (Interne, Kinder, HNO, Geriatrie, Fertilität, Chirurgie, Psychiatrie, Toxikologie), über Philosophie, Psychologie, Lebenshaltung, Meditation, Yoga, Ernährungslehre, Pflanzenheilkunde, Aroma-, Edelstein- und Farbtherapie bis hin zum Singen von Mantras und zu ayurvedischer Astrologie. Alle Bereiche des menschlichen Lebens sind also dazu angetan, als Mittel zum ‚Heil-Sein' zu dienen.

Ayurveda und seine spirituelle Dimension
Der Ayurveda wird (wurde) als der heilende Aspekt der Spiritualität beschrieben, obwohl er die spirituelle Entwicklung nicht explizit als Thema behandelte. Die Alten sahen Gesundheit vielmehr als einen integrierten Teil eines spirituellen Lebens. Heute wird der Ayurveda seiner spirituellen Dimension immer mehr beraubt und einerseits als Allerwelts-Wellnessmarke und andererseits als westlich-wissenschaftlich nachzuweisende Naturmedizin be- und gehandelt.

Allerdings ist auch hier ein moderner, kritischer Zugang notwendig. Ayurveda gehört nicht irgendeinem Guru, der behauptet, er sei der von Gott Gesandte, der Einzige, auch nicht irgendeinem selbst ernannten Lehrer, der von seinem Guru zu uns in den Westen geschickt worden ist, um uns den Ayurveda zu bringen, Ayurveda ist vielmehr eine Weltenlehre, das Wissen vom Gleichgewicht, das uns allen gehört und von uns allen gehört werden sollte. Ayurveda ist ein Weltkulturerbe!

Ayurveda ist die Lehre des Gleichgewichts und somit brandaktuell! Denn was sind die wahren Ursachen allen Unheils auf unserer Erde, was sind die Gründe für Krankheit, Elend, Armut, Vernichtung, Unterdrückung und Kriege? Was sind die – allerdings uralten – dem Menschsein anscheinend innewohnenden Übel anderes als Ungleichgewicht?



Kommentar schreiben