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28. Juli

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Eine Beleuchtung aus soziologischer Sicht

'It's a job – it's not supposed to be fun!'

UW75SCHW-Its_a_jobIst Arbeitszufriedenheit ein Wirtschaftsfaktor oder doch nur ein schöner Traum? 
Bei einem Gespräch unter Studenten habe ich den obigen Satz gehört. Einer hatte sich beschwert, dass er sich bei seinem Job, mit dessen Hilfe er sich finanziell über Wasser hielt, so gar nicht verwirklichen konnte.

 

Darauf sein Kollege, ein amerikanischer Student: „But what do you want? – It's a job – it's not supposed to be fun!" Ein sehr pragmatischer Standpunkt. Arbeit tut man einfach und es ist ganz egal, ob sie Spaß macht. Es ist eben (nur) ein Job und das eigentliche Leben spielt sich anderswo ab.

Demgegenüber steht eine Forschungstradition von Arbeitspsychologen, Soziologen, Ökonomen und sonstigen gescheiten Leuten, die spätestens seit der Studie über die Arbeitslosen von Marienthal aus den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts die empirisch gut untermauerte These vertritt, dass Arbeit das Leben strukturiert, sozial vermittelten Selbstwert schafft und somit weit über den monetären Aspekt hinaus im Zentrum des Lebens der Menschen des westlich-abendländischen Kulturkreises steht. Wenn das so ist, dann wird es wohl kaum ein größeres Unglück geben, als sich in seiner Arbeit nicht verwirklichen zu können. Moderne arbeitspsychologische und betriebswissenschaftliche Untersuchungen lassen darüber hinaus überhaupt keinen Zweifel zu, dass die Produktivität zufriedener ArbeitnehmerInnen weitaus größer ist als die unzufriedener. Es ist also, auch gänzlich abseits allfälliger humanitärer Überlegungen, das ureigenste Interesse jedes Arbeitgebers, Arbeitskräfte zu haben, die in ihrer Arbeit – was nun? – zufrieden, selbstverwirklicht, sinnerfüllt oder gar glücklich sind.

Was also ist Arbeit? Die Bestrafung des Menschen für seine Sünden, wie das die Geschichte von Adam und Eva andeutet, oder die Erfüllung des Daseins, die den eigentlichen Menschen erst ausmacht, oder – und das wäre noch komplizierter – beides?

Und damit es noch ein bisschen schwieriger wird: Wenn es um Arbeitszufriedenheit geht, werden wir uns nicht nur mit der (nur scheinbar ganz einfachen) Frage beschäftigen müssen, was genau eigentlich ‚Arbeit' ist, sondern auch mit der anerkanntermaßen noch viel verzwickteren Frage, was genau eigentlich ‚Zufriedenheit' ist.

Zunächst einmal ist Arbeit ein Kuriosum. Vermutlich haben die Menschen auf unserem Planeten knapp zwei Millionen Jahre lang in erster Linie gelebt und mussten zur Erfüllung dieser Aufgabe eine große Anzahl mühsamer Verrichtungen des Sammelns und Jagens leisten. Die Frage nach ihrer Arbeitszufriedenheit hätte die frühen Jäger und Sammler vermutlich einigermaßen verwundert. Das Phänomen, dass jemand von Personen, die er nicht kennt, mit Nahrung mitversorgt wird, dürfte erstmals vor etwa fünf- bis zehntausend Jahren eingetreten sein, als Büffel in organisierten Treibjagden über steile Abhänge in Felsschluchten getrieben und auf diese Art getötet wurden. Die so gewonnenen Fleischmengen mussten rasch verteilt werden und erst damit dürfte, so vermuten wir heute, erstmals Arbeitsteilung in größerem Stil entstanden sein. In größerem Stil insoferne, als nicht nur im Verband der Familie oder der Großfamilie jeder das tat, wozu er besonders geeignet war, sondern Funktionen definiert wurden, die für den ganzen Stamm, vielleicht auch für mehrere Stämme, von Bedeutung waren und somit einen sehr viel größeren Kreis von Abnehmern bekamen. Damit entstand auch das, was wir uns heute unter ‚Arbeit' vorstellen: Eine Tätigkeit nämlich, deren lebenserhaltende Funktion nur mittelbar, über die Möglichkeiten des Tausches, wirksam wird. Gearbeitet wird heutzutage ja zumeist für einen oder mehrere sogenannte ‚Arbeitgeber', die einen dann auch wieder nicht mit Fleisch oder Fellen entlohnen, sondern mit Geld – also mit der sehr abstrakten Möglichkeit, sich Fleisch oder Felle oder was immer sonst notwendig ist, zu verschaffen.



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