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25. Oktober

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Eine Wanderung durch die vielen und ungewissen Theorien des Alterns

Leben ohne Ende?

UW78SCHW-Leben_ohne_Bilder„An Altersschwäche zu sterben ist ein seltener, geradezu außergewöhnlicher Tod – und daher weniger natürlich als die anderen: Es ist die letzte und äußerste Art des Sterbens. In je weiterer Ferne sie liegt, desto weniger können wir sie erhoffen." Dies schrieb im Jahr 1580 der Politiker und Philosoph Michel de Montaigne in seinen berühmten Essais über das Alter.

In einer Epoche gewaltsamer Religionskriege, mangelnder Hygiene und medizinischer Versorgung hatte man mit 35 Jahren bereits die Hälfte seiner Mitmenschen überlebt und konnte sich zu Recht einen alten Menschen nennen.

Ein im Jahr 2011 in Österreich geborener Junge kann nach Berechnungen der Statistik Austria mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 75 Jahren und 8 Monaten rechnen. Die entsprechende Zahl für heuer zur Welt gekommene Mädchen lautet 81 Jahre und 6 Monate. Und Altersschwäche ist in der modernen Medizin keine finale Todesursache mehr.

Neben der für das Individuum eigentlich bedeutungslosen, für eine bestimmte menschliche Population errechneten durchschnittlichen Lebenserwartung steht die maximal erreichbare Lebensspanne. Der bislang älteste Mensch, dessen Chronologie zweifelsfrei dokumentiert ist, war die Südfranzösin Jeanne Calment, die 122 Jahre und 164 Tage gelebt hat. Es haben im Lauf der Geschichte zwar zahlreiche Menschen behauptet, ein außergewöhnlich hohes Alter erreicht zu haben, ohne dass diese Angaben von seriösen Gerontologen verifiziert werden konnten. Interessant und auffallend ist dabei jedoch, dass über die Jahrhunderte hinweg ein Maximalalter von ca. 120 Jahren möglich war.

Mit den wissenschaftlichen Fortschritten in Genetik und Medizin steht die Erwartung im Raum, dass bald der Schlüssel zu lebensverlängernden Behandlungen, wenn nicht gar zu unbegrenzter Lebensdauer gefunden sein wird. Doch so einfach ist die Sache nicht, denn bereits auf die am Anfang jeder diesbezüglichen Forschungsarbeit stehende Frage nach der Definition des Alterns gibt es keine allgemein akzeptierte Antwort. Fasst man den Begriff sehr weit und sieht jede im Laufe des Lebens eines Organismus stattfindende Veränderung als Altern an, dann zählen sowohl die Reifungsprozesse der Kindheit als auch degenerative Erscheinungen bei alten Erwachsenen dazu. Überspitzt gesagt beginnt demnach mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle der Tod eines Organismus.

Andere Forscher definieren das Altern nur über den Funktionsverlust von Organen und unterscheiden die Vergreisung (Seneszenz) vom Erwachsenwerden (Adoleszenz).

Eine zurzeit die verschiedenen Aspekte der Diskussion in sich versammelnde Erklärung wirft ein bezeichnendes Bild auf das mechanistische Verständnis menschlicher Existenz: Altern wird durch ein kontinuierliches Ansammeln von somatischen Schäden hervorgerufen, die eine Folge einer begrenzten Investition des Körpers in seine Wartung und Reparatur sind. Reparaturmechanismen, wie beispielsweise DNA-Reparatur und die Bekämpfung von oxidativem Stress, werden von Genen kontrolliert, die dadurch Einfluss auf die Langlebigkeit und das Altern des Organismus haben.

Max Bürger, deutscher Mediziner und Begründer der Gerontologie, der Wissenschaft vom Altern, hatte erstmals festgehalten, dass Altern das Ende der Entwicklung eines Lebewesens einleitet, ohne dass zu sagen wäre, wann dieser Prozess genau beginnt. Bürger führte auf den Menschen bezogen den Begriff der Biomorphose ein: „Diese lebenslang dauernden Wandlungen, denen der menschliche Körper, sein Geist und seine Seele unterliegen, habe ich Biomorphose genannt."

Und genauso unklar wie die Definition des Altersbegriffs ist, so schwer lassen sich die komplexen Ursachen des Alterns benennen. 1990 gab es dazu bereits etwa 300 verschiedene Theorien, von denen jedoch keine allein die vielschichtigen Vorgänge während der Seneszenz eines Organismus erklären kann. Der Vergleich zweier äußerlich sehr unterschiedlicher Lebewesen wie Hausmaus und Grönlandwal macht dies sichtbar: Der Aufbau der Körperzellen, den elementaren Bausteinen beider Spezies, ist trotz gewaltiger Größenunterschiede weitgehend gleich. Auch bei den daraus aufgebauten Organen und Geweben bestehen funktionell gesehen kaum Unterschiede. Und auch die Gene zeigen in ihrer Gesamtheit eine sehr hohe Ähnlichkeit. Dennoch beträgt die Lebenserwartung bei der Hausmaus maximal zwei bis drei Jahre, während Grönlandwale deutlich über 100 Jahre alt werden können. Es drängt sich bei erster Betrachtung ein Zusammenhang zwischen Körpergröße und maximaler Lebensspanne auf, denn je größer die Tierart, desto länger scheint sie zu leben. Indirekt proportional dazu verhält sich die Körpergröße zur Stoffwechselrate, dem gesamten Energieumsatz des Organismus. Multipliziert man diese Stoffwechselrate mit dem maximalen Lebensalter, ergibt sich für fast alle Säugetiere die gleiche Kennzahl von etwa 220 Kilokalorien pro Gramm. Kleine Säugetiere müssen mehr ‚heizen', da ihr Körper verhältnismäßig mehr Oberfläche im Vergleich zum gesamten Volumen zeigt und die Wärmeverluste größer sind.

Dieser erhöhte Verbrauch an ‚Lebensenergie' zeigt sich auch im Rhythmus des Herzschlags. Mäuseherzen schlagen in Ruhe 500 Mal pro Minute, Rinder ziehen ihr Herz nur mehr 50 Mal in der Minute zusammen, während große Wale lediglich 15 Herzschläge im selben Zeitraum aufweisen.

Rechnet man diese Frequenzen auf die maximale Lebensdauer hoch, dann ergeben sich in vielen Fällen verblüffend konstante Gesamtbilanzen von 800 Millionen Herzschlägen bis zum Tod. Doch dieser zwar sehr anschauliche Zusammenhang zeigt viele Ausnahmen. Zum Glück, denn Menschen würden demnach höchstens 40 bis 50 Jahre alt werden können.



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