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28. November

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Interview mit Bhikkhu Olande Ananda

Kein Weg zurück

Bhikkhu Olande AnandaBhikkhu Olande Ananda, auch ‚der holländische Ananda' genannt, 62, über sein Freiheitsgefühl, warum er die spirituelle Gemeinschaft sucht und wie er Brücken zwischen den verschiedenen buddhistischen Traditionen baut. Der in Holland geborene buddhistische Mönch Olande Ananda beeindruckt in Kursen und Vorträgen weltweit die Menschen durch seine humorvolle, unkomplizierte Art.

Auf Reisen in der westlichen Welt verstößt er bewusst hin und wieder gegen kleinere Regeln des Theravada. So nimmt er zum Beispiel Geld in die Hand, fährt selbst Auto und trägt dem Klima entsprechend auch mal vietnamesische Mönchskleidung. Seiner Ansicht nach verhindert das strenge Einhalten aller Regeln ein selbstständiges Leben als Mönch im Westen. Er möchte jedoch auf jeden Fall Mönch bleiben.

Paul Köppler: Sie sind gebürtiger Holländer und leben seit vielen Jahren in Sri Lanka und im Westen als buddhistischer Mönch des Theravada. Wie kam es dazu, dass Sie diesen außergewöhnlichen Weg gewählt haben?

Bhante Olande Ananda: Ich habe Ökologie und Soziologie in Amsterdam studiert, doch ich war nicht glücklich damit und bin auf die Suche gegangen. Zuerst versuchte ich es mit Psychotherapie, dann mit Transzendentaler Meditation und damit ging es mir gut. Dann hatte ich die ‚Autobiografie eines Yogi' von Yogananda gelesen und dachte, ich muss nach Indien fahren, um einen Lehrer zu finden. Ich fand einen und der meinte nach einiger Zeit, dass das Leben eines Haushälters für mich nicht so geeignet wäre. Ich ging dann noch ein Jahr nach Holland, um zu studieren und zu arbeiten, doch dann fuhr ich wieder nach Indien, um hinduistischer Swami zu werden. Auf Reisen nach Nepal begegnete ich einem buddhistischen Mönch, der mir empfahl, nach Sri Lanka zu fahren. Dort lernte ich den Buddhismus näher kennen und man sagte mir, ich könnte auch buddhistischer Mönch werden.

Köppler: Ihr erster Lehrer hatte gemeint, dass das Leben mit Beruf und Familie für Sie nicht geeignet wäre. Offensichtlich haben Sie das auch so empfunden. Wie kam das?

Ananda: Ich hatte während meiner Studienzeit auch Freunde und eine Freundin, doch dieses Leben kam mir wie ein Gefängnis vor. Ich wollte meine Freiheit und deswegen ging ich nach Indien. Als ich 1974 zum zweiten Mal nach Indien fuhr, hatte ich nicht die Absicht, so schnell wieder zurückzukehren.

Köppler: Doch als Mönch hat man ja auch viele Verpflichtungen und Regeln. Das haben Sie nie als Gefängnis empfunden?

Ananda: Ja, das ist eigenartig. Obwohl man als Mönch nicht wählen kann, was man anziehen oder wann man essen möchte, nicht wählen kann, ein Konzert zu besuchen und zu tanzen oder zu trinken, hatte ich das nie als schwierig empfunden. Ich war am Anfang ziemlich streng, doch ich fühlte mich immer wohl dabei, ich wusste, dass ich zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle war.

Köppler: War es das Gefühl, in einer spirituellen Gemeinschaft zu sein?

Ananda: Ja, ich habe das als Schutz empfunden. Die Menschen waren sehr freundlich, obwohl die Mönche und der Lehrer nicht sehr an Meditation interessiert waren. Mein Abt, der jetzt 94 Jahre alt ist, war mehr ein buddhistischer Gelehrter. Ich habe die Vipassana-Meditation in Kanduboda kennengelernt. Dort habe ich etwas erfahren, von dem ich wusste, das ist es und nicht mehr der hinduistische Weg. Nicht mehr die Hinwendung an etwas Göttliches, sondern die Probleme lösen, ohne Hilfe von außen. Das war ein einsamer Weg und am Anfang etwas schwierig, doch ein realistischer Weg und näher an meinem freiheitlichen Hintergrund.

Köppler: Buddhisten glauben an die Wiedergeburt. Hatten Sie den Eindruck, dass Sie schon mal in Asien gelebt haben?

Ananda: Ja, als ich das erste Mal aus dem Flugzeug auf Indien blickte, hatte ich dieses Gefühl. Und später war ich in einem astrologischen Zentrum in Madras. Die fanden heraus, dass ich vor 5000 Jahren etwas mit Krishna zu tun hatte. In Sri Lanka machte ich die Erfahrung, dass ich leicht die Sprache lernen konnte. In Tibet geht es mir ähnlich. Eine Hellseherin sagte mir einmal, ich wäreBhikkhu Olande Ananda Lama in Osttibet gewesen. Das kann sein.

Köppler: Das führt mich zur nächsten Frage. Sie sind Theravada-Mönch in brauner Robe, doch Sie haben auch gute Verbindungen zum Mahayana-Buddhismus, speziell zu Tibet. Zwischen diesen Richtungen gibt es große Unterschiede. Sehen Sie das als Problem oder verstehen Sie sich als Vermittler zwischen den Traditionen?

Ananda: Ich habe sehr oft Mahayana-Länder bereist, ich habe an interbuddhistischen Konferenzen teilgenommen. In Holland lebe ich in einem vietnamesischen Tempel der ‚Reinen-Land-Schule'. Ich kann sagen, dass mich die Lehre vom Theravada am meisten anzieht, aber ich habe die Tibeter sehr gern. Ich lehre Vipassana und Achtsamkeit nach dem Theravada, doch das gibt es eigentlich in allen Traditionen.

Köppler: Sie leben vorwiegend in Sri Lanka, sind jedoch auch immer wieder im Westen. Wie geht es Ihnen hier als buddhistischer Mönch in Robe und mit diesen Regeln? Gibt es Schwierigkeiten mit dieser Lebensform?

Ananda: 1978, drei Jahre nach meiner Ordination, bin ich sechs Monate in Holland geblieben, um mich zu orientieren und zu schauen, ob ich nicht ins Laienleben zurückgehen sollte. Damals war der Buddhismus noch sehr unbekannt und ich fühlte mich nicht wohl. Doch das hat sich geändert. Heute kann man in Deutschland gut in der Robe gehen, ohne ausgelacht zu werden. Man weiß mehr und respektiert mehr. Ich muss allerdings sagen, dass ich in Holland, weil ich dort in einem vietnamesischen Tempel lebe, manchmal auch die vietnamesische Mönchskleidung trage.

Köppler: Das dürfen Sie gar nicht.

Ananda: Das darf ich gar nicht, doch ich fühle mich dabei besser.

Köppler: Diese Kleidung ist etwas bequemer.

Ananda: Ja, im Supermarkt beim Einkaufen oder speziell beim Autofahren oder besser für dieses Klima geeignet.



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