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31. August

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,Johannes Paul, Superstar'

Vom heiligen Bimbam und seinen Jüngern

UW80SCHW-Vom_heiligen‚Johannes Paul, Superstar' betitelte der dpa-Auslandskorrespondent Hans-Jochen Kaffsack am 1. Mai 2011 einen Artikel über die eilige Seligsprechung des Papstes Johannes Paul II. Mit ‚tosendem Jubel, Tränen der Freude', so der Bericht, wird der erste Schritt des toten Papstes zum heiligen Papst verfolgt. Ein nicht ganz uninteressantes und auch ein nicht ganz selbstverständliches Phänomen.

Man könnte sich fragen, was ändert sich für einen Gläubigen oder einen neugierigen Touristen durch die Seligsprechung des Papstes, das solche Tränen der Freude erklären würde? Ist es vielleicht die Tatsache, dass das Bedürfnis nach Verehrung nunmehr amtskirchlich legitimiert ist? Oder macht Heiligenverehrung mehr Spaß, wenn sie von vielen geteilt, also nicht mehr nur Privatsache ist? Oder ist es am Ende die gleiche Art von Begeisterung wie bei einem Ländermatch? Karl Farkas hätte dazu wahrscheinlich gesagt: „Schauen Sie sich das an."

Das Wort ‚heilig' leitet sich aus dem germanischen Wort ‚Heil' ab. ‚Heil' bezeichnet eine Ganzheit, im Sinne von Vollständigkeit. Das englische Wort ‚health' für Gesundheit enthält noch diese Wurzel; übrigens auch ‚whole' (ganz), ‚hale' (Heil, als Zuruf), ‚holy' (heilig). Die alte quasi-rituelle Formel ‚Heile heile Segen', mit der man früher Kinder beruhigte, die sich kleinere Verletzungen zugezogen hatten, nimmt noch einen symbolischen Bezug auf die Idee, dass die Heilung im Sinne einer Reparatur von Verletzungen einen Segen, etwas Transzendentales, etwas, das von jenseits kommt, benötigt. Damit ist ein zweites Assoziationsfeld des Begriffes ‚heilig' aufgespannt: Die aus dem griechischen άγιος (hagios, hebräisch קדוש – kaddosch) stammende Bedeutung meint das Sakrale, das dem Gewöhnlichen, dem Profanen Entrückte. Die Idee, dass der gesunde, ganze, vollständige Mensch eine sakrale, transzendente Komponente benötigt, um ganz, um ‚heil' zu sein, ist offenbar schon lange vor dem Christentum anzutreffen. Und das ist das Trickreiche an dieser Idee: Sie ist so alt, dass sie schon zu jenen Teilen des gedanklichen Inventars gehört, die so selbstverständlich sind – oder erscheinen –, dass es Mühe macht, über sie auch nur nachzudenken. Wenn sie sich aber einerseits, weil schon zur Quasi-Natur geworden, der bewussten Reflexion ein Stück weit entzieht und andererseits ins aufgeklärte Denken schlecht hineinpasst, weil die moderne Wissenschaft Schwierigkeiten hat, das Heilige, das Entrückte empirisch zu erforschen, dann haben wir ein Problem. Und eine der Methoden, Probleme zu lösen, die schwer besprechbar sind, ist der Witz. Und so landen wir dann beim heiligen Bimbam.

Es ist also wahrscheinlich nicht ganz verfehlt zu behaupten: In einer Gesellschaft, die sich selbst als aufgeklärt versteht, ist eine gewisse Tendenz, mit Heiligem – und Heiligen – spöttisch umzugehen, vorprogrammiert.

Das ist aber noch nicht das ganze Problem. Denn wenn Ideen einmal so weit ins Selbstverständliche und damit ins weitgehend Unbewusste abgeglitten sind, dass sie in der subjektiven Wahrnehmung so ausschauen, als würden sie zum ‚natürlichen' Inventar des Denkens und Fühlens gehören, dann ist es nicht mehr so leicht auszuhalten, wenn sich jemand anderer darüber lustig macht. Die obige Behauptung gehört also wie folgt ergänzt:

In einer Gesellschaft, die sich selbst als aufgeklärt versteht, ist der Konflikt zwischen den einen, die mit Heiligem spöttisch umgehen, und den anderen, die das Heilige als elementaren Teil ihrer eigenen Existenz begreifen, vorprogrammiert.

Ganz besonders interessant wird es dann, wenn sich Spötter und Verteidiger in derselben Person vereinigen, auch das kommt vor. Die haben dann ein Problem mit sich selber. Eine der gängigen Methoden, mit so etwas umzugehen, besteht darin, die eine der beiden Komponenten aktiv zu verdrängen, was leichter geht, wenn man die andere übertreibt. So kann es passieren, dass die Verteidiger den Spöttern mit Mord drohen oder sie tatsächlich ermorden. Diese Variante ist dramatisch und spektakulär und bereichert die Medienberichterstattung in höchst unliebsamer Weise, aber sie ist zum Glück nicht sehr häufig. Häufiger bedient sich die Verteidigung des Heiligen schon der institutionellen Unterstützung. Im christlich-abendländischen Kulturkreis ist die bekannteste Variante die Heiligsprechung, eine Art posthum verliehenes Diplom, das dazu qualifiziert, verehrt zu werden. Wer kirchenamtlich bestätigte Heilige beleidigt, hat nicht nur den individuellen Zorn der Personen zu fürchten, die die jeweils beleidigte Person verehren, sondern auch den informellen – in krassen Fällen sogar den formellen – Ausschluss aus der kleiner werdenden, aber immer noch sehr großen Gemeinschaft der gläubigen Christen.



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