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20. August

Letztes Update:10:12:56

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Interview mit der Unternehmensberaterin Nicole Stern

Dharma für Führungskräfte

Nicole SternNicole Stern hat Zen und Vipassana praktiziert und wurde von Christopher Titmuss zur Dharma-Lehrerin ausgebildet. Als Unternehmensberaterin hat sie sich unter anderem auf Dharma-Training für Führungskräfte spezialisiert.

Über Meditation in der Wirtschaft und Achtsamkeit in der Praxis.

U&W: Was ist eigentlich dein Beruf?

Nicole Stern: Nach meinem Abitur habe ich eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und danach Arbeits- und Organisationspsychologie studiert. Dann war ich in der Wirtschaft tätig und habe mich intensiv einige Jahre ganz dem Studium und der Praxis des Dharma gewidmet. 2007 bin ich wieder nach Deutschland gekommen und in einer internationalen Unternehmensberatung als Führungskraft tätig geworden. Mein Anliegen bestand darin, meine Erfahrungen auch inmitten des Berufes umzusetzen.

U&W: Du machst also beides, Tätigkeit in der Wirtschaft und Meditationsseminare?

Nicole Stern: Ja. Ich liebe beides und bin sehr dankbar, dass ich diese Welten so kreativ zusammenbringen kann. So verstehe ich mich auch ein wenig als Übersetzerin und Brückenbauerin. Nach meinem Wiedereinstieg in die Wirtschaftswelt erlebte ich zunächst eine große Herausforderung. Ich musste lernen, meine Sprache, meinen Ausdruck anzupassen, so dass es für die dort tätigen Menschen verständlich wurde.

U&W: Ist es nicht so, dass man in der Welt der Wirtschaft mit Achtsamkeit und ähnlichen Werten nicht verstanden wird? Wie findest du da einen Weg?

Nicole Stern: Zunächst habe ich bemerkt, dass es kaum ein Verständnis gab, und ich habe begonnen, meine Achtsamkeitspraxis an meinem Arbeitsplatz für mich umzusetzen, ohne darüber zu sprechen. Das hat dann innerhalb der Firma auch ein gewisses Interesse geweckt. Warum bleibt die so gelassen, warum reagiert sie in gewissen Situationen anders, warum sind ihre Perspektiven und Ansichten etwas anders? Zunächst gab es da wenig Verständnis. Doch wenn persönliche Krisen auftraten, konnte ich mit dem, was die Dharma-Lehren geben, sehr unterstützen. Da begann sich etwas zu wandeln, eine Offenheit entstand.

U&W: Was sind die wichtigsten Werte und Verhaltensweisen, die du durch deine Praxis präsentierst?

Nicole Stern: Das ist sicher die Art der Kommunikation, die sehr stark darauf ausgerichtet ist, zu unterstützen, zu fördern und eine herzliche, vertrauensvolle Beziehung herzustellen. Ich war jedoch sehr vorsichtig am Anfang. Wenn ich die Möglichkeit hatte, strategischen Input zu geben, habe ich überlegt, etwas beizutragen, was das konsequent Heilsame in den Vordergrund stellt.

U&W: Also ein ganzheitlicher Ansatz, der vor allem das Menschliche berücksichtigte und nicht nur die Ausrichtung auf Erfolg und Gewinn?

Nicole Stern: Genau. Zum Beispiel hatte die Firma, in der ich tätig bin, keine Wirtschaftskrise. Da war es wichtig, daran zu erinnern, dass wir froh sein können, wie gut es uns geht. Oder darauf hinzuweisen, auch einmal innezuhalten und nicht direkt weiter zu expandieren. Nicht nur der Gier zu folgen, sondern ein gesundes Maß an Wachstum zu finden.

U&W: Deine Haltung führte doch dazu, dass du jetzt auch andere Führungskräfte in großen Firmen unterrichtest. Wie baust du solche Kurse für Verantwortungsträger auf?

Nicole Stern: Klassische Themen wie Mitarbeiterzufriedenheit, Kundenorientierung sowie Selbstführung sind oft die Eingangstore. Sie akzeptieren mich, weil ich selbst Führungskraft bin, ihre Anforderungen und Nöte kenne. Hier hole ich sie ab und vermittle darauf bezogen die Dharma-Inhalte.

U&W: Was, glaubst du, ist das Rezept, diese Menschen zu erreichen?

Nicole Stern: Als Bereichsleiterin habe ich den Druck und Stress miterlebt und wurde teilweise selbst mit reingezogen. Wie in einem Strudel. Ich habe auch sehr bewusst miterlebt, wie sich Rastlosigkeit, Gier und Unwissenheit sehr kritisch entfalten. Die Auswirkungen kennen wir alle. Sie machen ratlos und schüren die Sehnsucht nach Lösungen. Daraus habe ich Workshops entwickelt. Der Wunsch nach Werten, nach Orientierung, nach Reduzierung von Stress ist groß. Genau dort setze ich an. In meinen Workshops soll erfahrbar werden, wie Wahrhaftigkeit, Authentizität, Klarheit und Gelassenheit integriert werden können.

Ich verwende ganz klar den Begriff ‚Dharma-Training'. Mittlerweile können die Menschen mit dem Wort Achtsamkeit etwas anfangen, vor allem aus dem Bereich der betrieblichen Gesundheitsprävention. Ich unterscheide mich sprachlich bewusst davon, indem ich sage, dass es in meinen Trainings um einen Perspektivenwechsel und Potenzialentfaltung geht. Es geht darum, die Zusammenhänge zu erkennen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden und in sich Ausrichtung, Stille und Kraft zu finden.



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